Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 28. Januar 1814, Freitag

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Berlin d. 28. Jan. 14

Meine liebe Caroline!

Zwey Briefe ohne datum wovon ich den Empfang des einen bereits im Briefe an Deinen Mann erwehnt habe, sind von mir noch zu beantworten.

Zuförderst innigen Dank für die Hertzlichkeit Deiner Gefühle für mich. Sie sind neben der treuen Anhänglichkeit meiner Frau an mich, und dem Gedeyhen meiner Sorge für den Julius , die eintzigen lichten Punkte meines Lebens; und würken sanfter auf meinen Entschluß, das Leben überhaupt zu bestehen, als die starre Pflichtmäßigkeit, gegen das bittere Gefühl verfehlter Ruhe im Alter, und gegen die Ungewißheit, wohin am Ende meine Verlegenheiten mich führen werden.

Nun zur Beantwortung Deiner Briefe.

Die Erscheinung des Wilhelm bey Dir konnte mir wegen des unerwartet guten Zeugnißes, was Du ihm ertheilst Freude machen. Allein sein Benehmen, ein gebetenes u erhaltenes Dahrlehn hinterher als ein Geschenk zu betrachten, hat mich hinter seine Masque blicken laßen, weil |2 ich darinn seinen Vater wieder finde, der einen so großen Antheil an den mich jetzt drükenden Wiederwärtigkeiten hat.

Da es mich nun jammert, daß Du um Deine kleine Habe von 3. Fridr. d’or gewißer maaßen gebracht bist; so habe ich die Angelegenheit einer für meinen Bruder gehabten Einnahme Hallischer Saltz revenues benutzt, u bey meinem Bruder angefragt, ob ich Dich damit befriedigen sollte. hierauf erwarte ich noch Antwort, u habe das Geld einstweilen zu Deiner Sicherheit an mich behalten. Schreib ihm also nicht, sondern warte den Erfolg ab. – Übrigens hat der Wilhelm gantz recht, wenn ich mit ihm bisher unzufrieden gewesen bin. Denn er ist auch einer von den Menschen, die sich nur immer auf andere verlaßen, und ihre Gutmüthigkeit mißbrauchen; auch hat er nichts gelernt, um sich über das bloß mechanische zu erheben, u seinen Schiks Wohlstand sich selbst zu bereiten.

Die Stelle Deines Briefes welche die Frau v. Kalb betrift, habe ich ihr selbst vorgelesen, und ihr leichter Sinn hat auch nichts gegen Deine verringerte Theilnahme an ihren Speculationen.

|3 Der Punkt wegen der Frankfurtter Pension beruhet nun auf unmittelbarer Correspondentz mit Deinem Mann, und werde ich mich freuen, wenn dieser so wichtige Punkt zu seiner Zufriedenheit ausschlägt. ich erwarte also mit Ungeduld den Erfolg seiner eignen Bemühungen.

Herr von Mecklenburg hat sich hier bisher nicht sehen laßen. Er war uns aber aus Basel angemeldet, wo meine Schwieger Mutter noch ist, u in diesen Tagen die Auszeichnung genoßen hat, daß der König u der Kron Printz das Strekeisensche Hauß besucht haben, während sie in einem andern Hause logirten.

Minna ist noch in ihrer bisherigen Lage. Gott gebe, daß sie sich darinn erhält, bis der Himmel ihr einen festern Ruhe Sitz gönnt. Übrigens ist sie mir seit 14. Tagen Nachricht von den ihr übersandten Richterschen Zinsen schuldig; u ich fürchte fast, daß sie krank ist.

Die mir in Deinem späteren Briefe geschickte Weste habe ich mit Vergnügen empfangen. Sie muß zwar um drey Finger breit ausgelaßen werden, allein diß sage ich Dir nur, um Dir mein cörperliches Wohlbefinden damit zu belegen.

|4 Das gütige Erbieten Deines Mannes mir von seinen Schriften diejenigen, welche ich noch nicht habe, u wovon derselbe noch Exemplare besitzt, zu schenken, nehme ich mit Dank an; und erfolgt das Verzeichniß der mir ersteren hiebey bereits in Händen habenden, hiebey.

Du schreibst mir so selten etwas von Deinen Kindern. Möchten Sie doch selbst einmal eine Theilnahme an mir zu erkennen geben.

Frau Ministre von Bülow , die jetzt hier ist, hat mir von Ihrem Besuche bey Dir gesprochen. Sie ist seit kurtzen von einer Tochter entbunden, u so bald es sich schickt, werde ich mit ihrem Vater bey ihr Thee trinken; und bey dieser Gelegenheit auch ihren Herrn Gemahl sehen, da ihn bisher nur meine Carten erreicht haben. Sie ist durchaus unbefangen gegen mich gewesen.

Die Tante Mertzdorff ältert sehr, ist aber gesund. Die Sommern hat ihre Station beym Staats Rath Nicolovius zu Weyhnachten aufgegeben, u lebt auf ihre eigne Hand. – Ihr Sohn wird oeconom.

Unser alter Hauß genoße Ekard stehet jetzt beym Cammer Gericht, u ist alle Sonntag mein Gast. Er grüßt Dich.

Lebe wohl. Grüße Deinen Mann u küße Deine Kinder.
Die Mutter
grüßt recht hertzlich.

Dein treuer Vater Mayer.

Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 28. Januar 1814, Freitag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0817

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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 4 S.