Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Karl Gottlieb Spazier an August Theodor Heinrich Bode. Leipzig, 12. Juni 1802, Sonntag

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L. 12 Juny 1803

Haben Sie Dank für die schnelle Rücksendung der dritten Halle , die meiner Bitte zuvorkommt, die ich eben thun wollte. So ist es recht schön.

Der beifolgende Abdruck möge Ihnen nicht mißfallen. Das Mpt. ist ein wenig schwer mitunter zu deschiffriren. S-cker ist nicht durch ; getrennt. Ich wusste schlechterdings auf keine Person zu rathen, u da substituirte ich etwa den Schmecker, worunter man zur Noth den Merkel verstehen kann. Das Wörtlein der fehlt zwar freilich, aber dem Publikum dem manches Wichtigere fehlt, |2 wird man’s wohl nicht übel nehmen. Der Vers ist doch wenigstens ordentlich.

- flieht sie wieder gen Süden habe ich mir die Freiheit genommen jezund dafür zu setzen , weil das einigen Bezug auf die südliche Poesie (Cervantes, Ariost, Calderon etc) haben kann, der man sich jetzt ergiebt, u ich nicht fühle, wie man wieder von der Sippschaft sagen kann.

Die Verse im Artikel Mattausch
"Wer so verklärt das herrliche Talent
den Beilfallarm die Muse gern ihm gönnt"
waren mir, wenigstens so gelesen, ganz |3 unverständlich. Ich will hoffen, daß ichs durch die gedruckte Leseart nicht verdorben, was Sie haben sagen wollen. Mir scheinte wenigstens die Apostrophe:
"Bezeuget mirs, ihr wundgeklatschten Hände"
in Verbindung zu stehen.

Ich werde die größte Sorgfalt auf das Übrige wenden.

Was Sie zuletzt noch die Muse sagen laßen, gefällt mir ausnehmend.

Nun also, jede Woche hinter einander wird eine Halle geben. Ich besorge nur, die Leipziger werden mich toll machen u von Pasquillirung sprechen; denn es sind absurde Menschen; besonders der alte Christ. |4 Der alte Sünder hat mir schon einmal bei einer ganz unschuldigen Sache zusetzen wollen. Doch man muss sich nicht daran kehren.

Sobald es sich macht, komme ich herüber. Sontags wird ja wohl immer etwas Vorzügliches gegeben. Ist das Repertoir nicht in Lauchstädt für eine ganze Woche bestellt, u kann man’s nicht erfahren ?

Spazier

Zitierhinweis

Von Johann Karl Gottlieb Spazier an August Theodor Heinrich Bode. Leipzig, 12. Juni 1802, Sonntag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0830


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Textgrundlage

H: GSA, B:Spazier, Karl, 79.44|3
1 Dbl. 8°, 3 ½ S.

D: ZeW

vom 9. Juni 1803 (Nr. 69, Sp. 543-548) erschienen war.