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Korrespondenz

Von Karl Spazier an August Theodor Heinrich Bode. Leipzig, 22. September 1803, Donnerstag

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Leipz. 22 Septbr 3.

Ich kann mir nicht helfen, lieber Freund ich muß Ihnen sagen, daß mich die Lektüre Ihrer Burlesken, die ich Bogenweise aus der Druckerey zu sehn bekomme, gar sehr ergötzt. Mit dem Däumeling bin ich noch nicht aus, aber er ist charmant u muß sich interessant beschließen. Vom Genius der Kunst habe ich noch nichts gesehen, aber Mahlmann sagt mir viel davon . Eben habe ich den Prologus des Theaterdirektors abdrucken laßen.

Wollen Sie nicht selber vorläufig eine lustige Anzeige von den Burlesken aufsetzen, die ich, daß man nicht merke wo sie herkommen, gleich einrücken kann, sobald sie versandt werden?

|2 Sie können sich wahrhaftig loben, u wenn Sies nicht thun, thu ichs. Laßen Sie dabey die Parallelen mit den vorjährigen Kotzebueschen Karikaturen nicht aus: welch mattes, frostiges Zeug sind diese gegen Ihre frischen, lebendigen Marionetten ! Thun Sie, worum ich bitte.

Überhaupt aber, Freund, jetzt gehe ich Sie ernstlich um Beiträge an. Ich muß die lezten Eindrücke für mein Blatt zu gewinnen suchen, dann ist für das kommende Jahr gewonnen Spiel. Fürs Erste hätte ich große Lust, Sie um ein gescheites Wort über Göthes Eugenie zu ersuchen. Schlegel hatte mir schon vor 6 Monaten etwas darüber |3 zugesagt; aber er steckt in seinem Calderon , und es ist nun an nichts zu denken. Er entschuldigte sich ein mal über das Andere. Jetzt da das Buch als Almanach erscheint , wäre mir etwas Gutes darüber sehr lieb .

Wollen sie auch etwas über des alten, frischen Wielands Menander und Glycer. sagen ? Sollte es wohl wahr seyn, daß Meyer die abscheulichen Dinger darin gezeichnet hat?

Indem ich Sie um Unterstützung ersuche, bin ich gewiß nicht Willens sündlich mit Ihrer Zeit umzugehen, Sie sind Schriftsteller, Sie haben das Recht Vergütung durch Honorar zu verlangen. Viel kann ich, armer Teufel, nicht geben, aber das Wenige herzlich gern.

|4 Wollen Sie mit 2 Ldor pr. Bogen, aus Freundschaft zu mir u aus Theilnehmung an den lieben Meinigen, zufrieden seyn? Sagen Sie!

Noch einen Wunsch hätte ich, oder zwey. Wäre es nicht hübsch, wenn dies Fehde-Jahr für meine Zeitung mit einem hübsch witzigen Epilogus beschlossen würde? Sie dürften das Blatt auch eben nicht schonen, könnte ihm immer auch eins anhängen, wenns nur nicht zu heidnisch wäre.

Dann bin ich wegen einer Idee zum Titelkupfer des neuen Jahrgangs verlegen. Die Ausstechungen müssten aber nicht viel kosten. Am besten wären leichte Skizzen. Der Gegenstand könnte Komisch sein. Sinnen Sie einmal nach. Ich habe schon so mancherley verworfen, u die Zeit rückt heran, daß man ernstlich daran denken muß.

Haben Sie die Güte, mir recht bald auf diesen Brief zu antworten. Apropos, ließe sich der jetzige Streit der beiden Literatur Zeitungen nicht lustig machen, nicht in eine kleine Burleske verkehren? Antwort, Antwort! Ihrem Sp.

|5 Noch eins. Ihr übersandter Monolog ist gar sehr gut; aber wo denken sie hin, wenn Sie mir den Abdruck zumuthen? Es ist der strengste Befehl vom Dresdner Ministerium hier an den Censor gegangen, nicht passiren zu laßen, was Bonap. u die franz. Regierung betrifft. Letztlich ließ ich etwas aus Reichardts gedr. Briefen aus Paris: eine hübsche unschuldige Schilderung von Bonap. Person, seiner Art sich zu tragen, im Hause zu leben, abdrucken u markirte selbst die Seitenzahl aus dem Buche. Das Blatt, wovon schon ein paar hundert Ex. gedruckt waren, mußte umgedruckt werden u die wöchentliche Lieferung wurde unterbrochen. Ich habe den Monol. aber an Archenholz gesandt, der ihn wohl aufnehmen wird.

|6 Lesen Sie doch Merkels Ankündigungen in seinem Ernst und Scherz. Er will, der anmaßende Mensch die Recensionen aus beiden Liter. Zeitungen recensiren, u sich wie ein Lachsfänger vor den Durchzug stellen, eine Barbierstube anlegen, wie alle Recensenten über den Daumen barbirt werden sollen. Der petit arrogant muß mit Lächerlichkeit bedekt werden. Aber sollten Sie etwas wollen, so scheuen Sie sich nicht weiter, Ihren Namen dabey zu nennen.

Zitierhinweis

Von Karl Spazier an August Theodor Heinrich Bode. Leipzig, 22. September 1803, Donnerstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0836


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Textgrundlage

H: DLA, B:Spazier, Karl, 79.44|10
1 Dbl. u. 1 Bl. 8°, 5½ S.