Darstellung und Funktionen des "Kritischen und kommentierten Textes" sind für Medium- und Large-Screen-Endgeräte optimiert. Auf Small-Screen-Devices (z.B. Smartphones) empfehlen wir auf den "Lesetext" umzuschalten.



|1
Leipz. 1 9vbr. 3

Vorerst Ihr Auftrag, lieber Bode. Mahlmann hat keine Lust zu der Enterprise, auch ist er mit Sachen schon zu besezt, wie ich versichern kann. Ich glaube überhaupt nicht, ehrlich gesagt, daß sich nicht ein Verleger zu einer Suite von Bänden Gedichte dieser Art finden dürfte, zu welchen noch kein Sinn u Verstand im Publikum gefunden wird. Was soll ich also thun? Gern würde ich weiter herumfragen, aber ich sehe schon, es hilft mir nichts. Wissen Sie was? Schreiben Sie einmal an Reimer, den Faktor oder Inhaber, glaub' ich, der Realschulbuchhandlung in Berlin: der hat Calderon , Tiecks (pudelnärrische) Minnelieder-Sammlung, Lakrimas etc. verlegt. |2 Vielleicht schlägt der ein.

Sie sind recht gut u wacker, l. B. für Ihre Freunde, das sehe ich. Haben Sie schönen Dank für Ihre Auskunft wegen der Portraits . Ich nehme die Proposition mit Vergnügen an u gebe Ihnen plein pouvoir mit Herrn Zimmermann die Sache zu beginnen, dem ich mich hiermit bestens empfohlen haben will. Ich werde mich ihm sehr verbunden erachten, wenn er so gütig seyn will die Zeichnungen recht bald zu besorgen. Sie erhalten das vorjährige Titelkupfer , damit Hr. Z. die Größe der Medaillons danach bestimmen kann. Es bleibe Ihnen überlaßen, wie Sie die Idee arrangiren wollen. Das Schustergesicht |3 in den Kohl zu stecken, ist nicht übel. Mag sich der Zeichner doch damit versuchen, wie er das anfängt. Aber ist die visage auch dort bey Ihnen zu haben? Wo nicht, so mag nur dazu Platz bleiben, u wir wollen wohl hier dafür sorgen. Nur hübsch bald Alles! Die wenigen Wochen gehen leicht um, u das Blatt soll doch ordentlich gestochen werden.

Machen Sie, l. B. daß Herr Z. billig ist. Nach meinem Kontrakte mit Voß, fällt mir, nicht ihm, alles anheim, was Zeichnungen kosten; den Kupferstich bezahlt Er. Glücklicherweise bin ich seither meist durch Güte von Freunden, oder durch Zufall zu allerhand Sachen gekommen und Weniges habe ich bezahlen dürfen. Unterdeß mit Vergnügen werde ich honoriren. Nun bitte ich mir die Forderung des Herrn Z. zu sagen. Einigermaßen kann |4 er etwas auf die Publizität seines Namens durch die Zeitung schlagen; denn ich würde auf jeden Fall ausdrücklich sagen, daß u wie er die Portraits ausgeführt.

Nun genug davon.

Haben Sie schon Ihren Panegyrikus im Ernst u Scherz gelesen? Es ist recht niederträchtig, wie der Sünder mit den Burlesken umgegangen ist. Machen Sie doch eine Burleske auf ihn; aber sie muß so werden, daß ganz Deutschland darüber lacht, ganz als petit miserable müssen Sie ihn behandeln, ich meine aber damit, durch Imersion muß er ganz inquisirt werden. Ersinnen Sie doch eine lustige Idee, was Sie eigentlich mit ihm anfangen wollen. Schlägt man den Hund nicht todt – was das Beste wäre – so muß man ihm einen Haarbeutel einbinden u ein Brummeisen ins Maul geben, ihn wie einen Schneider tanzen laßen.Die Expectorationen sind von Kotzebue, ganz bestimmt . – Apropos bald hätte ich vergessen Ihnen zu sagen, daß seit Sonntag meine Frau mit einem Jungen in die Wochen gekommen ist . Vive la vie !

Zitierhinweis

Von Karl Spazier an August Theodor Heinrich Bode. Leipzig, 1. November, 1803, Dienstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0841


Informationen zum Korpus | Erfassungsrichtlinien

XML/TEI-Dokument | XML-Schema

Textgrundlage

H: DLA, B:Spazier, Karl, 79.44|11
1 Db. 8°, 4 S.