Edition Umfeldbriefe

Von Johanna Heim an August von Studnitz. Meiningen, 26. Februar 1812, Mittwoch

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Meiningen den 26ten
Februar 12.

Gestern Abends ½ 11 Uhr schlief unser Freund Wagner ganz sanft ein , sein Geist zu Gott der ihn gegeben hat – Gestern vom Morgen an verlohr er seine Sprache, er verstand alles, hörte alles, sein Angesicht deutet immer Freundlichkeit – verzückt sah er gen Himmel – Zu aller lezt brachte er das Wort Engel heraus – ohne alle Erschütterung starb er. Ich seegne das Ende seiner Leiden! seinem Verlust wird mir nicht ersezt, lange war die Probe unsrer Freundschaft. Die Kinder sind beduzt, die Frau spricht viel und dudt wenig. Ich lege Ihnen ein Brifchen von mir an Ihren Herzog bey, wo ich den Todt des Wagner melde und die Kinder und Witbe seiner Gnade empfehle. Nur Sie sollen urtheilen ob ichs wagen sol, ob er es gütig auf nimt, ich habe zerstreut geschrieben den ich bin sehr beklommen, ich muß so viel besorgen. Ihrer Liebe, Wohlwollen, Freundschaft empfehle ich mich und meinen Man, laßen Sie uns Liebe und Freundschaft erben. Leben Sie noch lange gesund, mögen die trüben Wolken endlich über Ihr Haupt vorüber ziehn und beständiger heller Himmel Sie umglänzen.

Ihre

treue Dienerin
Heimin, geb. Arnold

Zitierhinweis

Von Johanna Heim an August von Studnitz. Meiningen, 26. Februar 1812, Mittwoch In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0978


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Textgrundlage

D: Corin, S. 449.