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Von Charlotte von Kalb an Caroline Richter. Berlin, 16. Februar 1813 (?), Dienstag

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Über meine ökonomische Lage muß ich Ihnen auch sagen: das Schlimmste war nicht der Mangel aller Revenuen in Jahr und Monaten, als die beständige täuschende Verziehung. Die Armen waren selbst betrogen. Andere, so mir wenigstens die Wahrheit schuldig wären, raubten mir auch diese, und dies allein hat mir vielen Kummer gebracht. Ich habe zwar in diesem Jahr von einigen besonders Vortrefflichen etwas erhalten, welches zu Arbeiten verwendet, die sowohl ich als meine Tochter besorgt; dies allein hat uns gerettet.

Viele Wohlhabende lassen bei mir arbeiten, unter denen selbst meine teure Prinzeß Wilhelm und Prinzessin von Kurland . Da ich gerne die öftere Sorge neuer Wahl vermeiden möchte, lasse ich gerne von einer Art und Form mehrere Stücke arbeiten und bin auf diese Weise, um es mir vorteilhafter zu machen, mehreren wohlthätig. So wünschte ich auch an entfernte Orte versenden zu können. Wollen Sie mir auch erlauben, Ihnen zuweilen etwas zu schicken? Vielleicht machte selbst ein Kaufmann auf dergl. Bestellungen. Nichts ist sonderlich schön, vielleicht aber brauchbar. Ich gebe Ihnen immer die Preise an, wie ich es hier verkauft habe; Sie können es auch billiger geben. Denn mit solchen Dingen ist's wie mit Blättern, kein neues kann blühen, wenn das alte nicht vergangen ist. Ich erkenne es als eine unvergeßliche Wohlthat, wer sich in dieser Sache meiner und meiner Kinder annimmt. Auch habe ich den Tadel recht gerne und die Anweisung, die, wie ungeschickt bin ich in allen – [...]

schön könnten wir oft [...] den Abend meines Lebens beisammen weilen. Und wer Lust hat nach Berlin zu kommen, komme jetzo, wo der mächtige Geist am neuen Leben schaffen kann. Lebt wohl, lebt wohl! sendet bald Gesinnung und Freude Eurer

Charlotte.

Berlin, Lindenstraße 66
d. 16. Febr.

Die Borten sende ich den lieben Kindern , Emma wol am meisten . Liebe Mutter, erlauben Sie den lieben Wesen diese Bande! Es ist keine Zierde, aber mein Name werde ihnen damit bekannt.

Ich habe diese Façon gefunden, und vielerlei und mancherlei wird darin bestellt [...]

Zitierhinweis

Von Charlotte von Kalb an Caroline Richter. Berlin, 16. Februar 1813 (?), Dienstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0979


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Textgrundlage

D: Kalb, S. 145–146, Nr. 116 (HE Berend)


Korrespondenz

Zur Datierung: Der Brief enthält keine Jahresangabe und wird hier (wie auch in D) auf 1813 datiert, weil er nicht nur dieselbe Absendeadresse wie der Brief vom 6. Mai 1813 hat, sondern vorallem ähnliche Begrifflichkeiten enthält, die nahelegen, dass er denselben Handel zum Gegenstand hat. Charlotte von Kalb unterhielt Handelsgeschäfte, um sich finanziell abzusichern, die Caroline Richter als Kundin und Vermittlerin unterstützte. In dem Brief Johann Siegfried Wilhelm Mayers an Caroline Richter vom 2. November 1808 taucht erstmals ein Hinweis einer Bezahlung Charlotte von Kalbs im Auftrag Caroline Richters auf, dem bis zum 28. Januar 1814, wo Mayer eine nun "verringerte Teilname" Caroline Richters an Kalbs "Spekulationen" thematisiert, immer wieder Nachweise eines Handels unter den beiden folgen.