Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Max Richter an Caroline Richter. Heidelberg, zwischen 11. und 20. Mai 1821

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Daß der Vater mit der Drohung mir entgegenkommt, d wenn ich mehr als er glaubte hier verbrauchen würde, von hier mich wegzubringen, also wenn ich recht schlecht mit dem Geld umgehen u lüderlich werden würde, hat mir recht weh gethan. Wenn er gewußt hätte, daß ich mir täglich einen Fehler u gar einen solchen abzuwerfen strebte, er hätte es nimmermehr sagen können. – Doch genug, Einer weiß, was jeder Mensch thut u sein wird. – Jeder Student braucht hier wenigstens 5 oder 600 fl. Das kannst Du u sollst nicht von mir erfahren, jeder redliche Mann kann Dir dieß versichern. Nach diesem Verhältniß kann man alles ermessen; wenn gleich ich nicht darnach leben kann. In a Die collegia allein kosten vielen 100 fl.; bei mir ist dieß blos Dan[...] Freundschaft zb. von Seite Kreuzers u Voss, daß ich die collegia frei habe. Du kannst nicht denken, wie mich solche Gedanken ärgern könnten, wo mir jeder Bissen, den ich nicht verdiene, sauer wird u ich doch essen muß, um zu leben. Ich weiß selbst, nicht male mir euch alle viel schrecklicher vor, als ihr seid; ihr denkt gewiß recht böse von mir, von einem Menschen, dem Geld in die Hände gegeben ist und der eben weiter nichts zu thun hat, als an dem Tag dieß zu essen, u an jenem das u allenfalls noch die Miethe zu bezahlen und die Collegiengelder. Das wäre dann eine Sache für einen Juden, der mit der dem Gelde selbst handelt; lieber will ich künftig in die Sklavenfesseln treten, als jetzt nicht ganz frei zu sein. Mit dem Lernen ists noch nicht gethan; das ist ein leichtes Werk. Doch auch hievon genug. Deutet mich nicht falsch, ich meine es nicht bös.

Ich möchte wohl einmal bei einer Thürritze hineinsehen, wenn ihr meinen Brief bekommt, ob was für Scheltungen ihr ausstießet. Aber recht freuen will ich mich, wenn ich einmal ganz unerwartet ohne nur mindestes |2 Wissen zur Thüre hereintrete. – Doch noch von einem Punkt habe ich zu sprechen, von dem, der ihn hersetzt – von der Feder; durch ein gewaltiges Stunden langes Schreiben in den Collegien wird meine Hand immer mehr verschrieben u da [...] kommt es mir hart an, um wieder in das Schönschreiben zu kommen. Ist das Dessauische Stipendium schon besorgt ; ? darnach habe ich schon lange gefragt. Die alte Voss leidet noch immer; auch die Paulus liegt noch. Die Bläue ist hier in bläurer Farbe sichtbar und wir Alle glauben, einen schönen Sommer zu bekommen. Eine Rheinreise aber verlangt auch ein Rheinleben im Dezember.

Grüßet Alle den lieben Emanuel u Otto. Beiden wird an einer besondern Nachricht nicht viel gelegen sein Hat Lairitz wohl den Brief von Carové erhalten? Er muß sogleich mit der Abreise des Vaters beantwortet werden. Hier schicke ich eine Ankündigung eines Heldengedichts von einem meiner Freunde, Henne, einem treflichen Menschen; Briefe über den Divico sollen nachfolgen; e E in armer Mensch, von Allen verlassen, bittet er Dich, geliebter Vater, zu Subskribenten zu verhelfen ; eher aber sprich nicht davon, als ich die Briefe geschickt habe. Salis , in Zurch, Schwarz in H. sind seine einzigen Freunde; von ihm als Menschen zu sprechen, halte ich für überflüssig. Ich will mit diesen paar Bogen die Sache noch nicht vorgerückt sehen; dieß kann erst in einigen Tagen geschehen, wo ich mehr darüber sprechen kann. Dieß nur zum Vorraus. Lebt wohl, Geliebte, ihr Schwestern alle. Grüßt alle Freunde. An den Rendanten werde ich bald schreiben. Grüßet seine Familie.

Lebt wohl.Schonet meiner u Vergebt!

E. M.

Zitierhinweis

Von Max Richter an Caroline Richter. Heidelberg, zwischen 11. und 20. Mai 1821 In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB1012


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Bl. 8°, 2 S.


Korrespondenz

B: Von Jean Paul an Max Richter. Bayreuth, 10. Mai 1821 bis 11. Mai 1821
A: Von Jean Paul an Max Richter. Bayreuth, 20. Mai 1821

Möglicherweise Schlussteil des ebenfalls vor dem 20. Mai 1821 verfassten Briefes von Max Richter an Jean Paul (4. Abt., Bd. VIII, Nr. 106) .