Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Ernst Wagner an Georg Joachim Göschen. Meiningen, 23. Februar 1805, Sonnabend

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Meiningen den 23n Febr. 1805.

Wohlgeborner,
Hochzuverehrender Herr!

Lassen Sie sich meinen verbindlichsten Dank für Ihren lieben freundschaftlichen Brief wohlgefallen.

An Ihrem Schmerz über den abermaligen Verlust eines so edlen Freundes nehmen gewiß unendlich viele brave Menschen innigen Antheil.

Ach nein, lieber Mann! Ich hatte kein reichlicheres Honorar erwartet, als Sie mir anbieten ; und wenn dem Menschen immer die Hälfte seiner höchsten Wünsche gewährt würde, so sollte er allerdings dieß für nicht viel weniger (wie ich mich, glaub ich, in meinem letzten Briefe ausdrückte) halten, als alles! Und, bin ich nicht ein noch völlig unbekannter Mann? Gewiß, Sie sollen mich stets bescheiden finden, es sey die Rede von Geld oder Ruhm. – Ich nehme Ihre Bedingungen mit Vergnügen an, und füge zu einer geringen Erweiterung derselben nur folgendes bey:

1.) Den Druck wünschte ich – auch des gefälligen Aussehens wegen – mit etwas grösserer Schrift gedruckt als das Journal von Frauen. Auf alle Fälle will ich aber darauf rechnen, daß die 10 Bogen, welche Sie haben, wenigstens gewiß zehn gedruckte Bogen ausmachen werden. Das übrige bleibt Ihrem Willen vollkommen überlassen, weil ich überzeugt bin, daß Sie selbst für ein gutes Äussere sorgen werden.

2.) Ich wünsche noch 8 Freyexempl. zu erhalten, und

3.) Da ich nicht weis, wie Sie es mit den Zahlungen der Honorare zu halten pflegen, so will ich hier deßhalb meine Wünsche niederschreiben. Ich möchte gern um Ostern – d. h. vom 8n bis 16n April etwa – einen abschläglichen Vorschuß von 150 rth haben; dann den 1n Jun. noch etwas, und die letzte Summe mögen Sie dann setzen, wie bei andern Autoren Sitte ist – je früher je besser. Könnten Sie mir dieß, wenn es irgend nach Ihren gemachten Gesetzen thunlich ist, gewähren, so wär' es mir eine sehr wichtige Gefälligkeit. – Übrigens wünsche ich alles pr. Assign. an Hrn Israels Söhne allhier ausgezahlt zu erhalten, die ja wohl in Leipzig ziemlich viele Geschäfte machen.

Ich werde Ihnen vor Ostern wieder eine Lieferung, und gleich nach der Messe den Schluß des ersten Bandes abschreiben lassen und schicken. [Textverlust] desto mehr thut mir die stärkere Hälfte Ihres Briefs deren [Textverlust] Ihnen übrigens nicht genug danken kann, edler Mensch – da sie für mich |2 so wichtig, und von einem Manne geschrieben ist, der hier allerdings ein grosses Wort zu sprechen hat, und dessen Stimme in Deutschland etwas gilt!

Lieber Gott, es ist mir schon viel Widriges über diese Sache gesagt worden. Noch gestern schrieb mir ein ungläubiger Freund. "Lieber Tasso , nimm mich zu deinem Antonio an, ohne den Degen auf mich zu ziehen!" Aber ich wollte nur, er wäre mehr als Kammerherr, und ich wäre – Tasso!

Zum Glück geht meine Idee – gerade wie Sie sie verlangen – nur wenig auf Schule, sondern auf Fonds für Künstlerunterstützung, Reisen pp und Ihre Zweifel und Anfälle stehen schon meistens (und manche, seltsam genug, fast wörtlich) in meinem Plane, der Ihnen sicherlich noch Interesse abgewinnen soll. Aber sein leidiges Schicksal war vorauszusehen, daß Jedermann (und gerade die Weisesten) über ihn aufgebracht wird ehe man ihn kennt. – Ich weide mich einstweilen an dem süssen Gedanken, einen glänzenden Sieg über Ihre Meynung (hier und da, versteht sich – denn das meiste von Ihrem Urtheil ist völlig unwiderlegbar, und wahrhaft vortrefflich gedacht und gefühlt!) davon zu tragen, und will Ewr. Wohlgeboren heute nicht durch meine Wärme belästigen. Sie kennen ja die mit jeder Lieblingsidee verbundene Rechthaberey längstens! – Ich werde überigens, Ihrem Rathe gemäs, das Kunstgespräch hinten anhängen. Aber 50 rth weise ich zum ersten Opfer – ich will doch sehen, ob man mich verlacht und allein stehen lässt und davon läuft! – Schrecken Sie mich nicht zu sehr ab, trefflicher Freund – denn ach, die Sache ist groß und gut – und ach! Sie kennen die Welt leider mehr als ich – –

Um Ihr neues Journal reissen sich meine hiesigen Damen, daß ich es noch nicht zur Selbstdurchsicht bringen konnte. Ich bitte Sie, mir, ja mit erster Post, noch ein Exempl. gefälligst zu übermachen, weil die Herzg. von Hildburghausen es mit der meinigen halten will, und ich das eine Exempl. nolens volens sogleich andern Frauen habe preis geben müssen. Die 12 rth Pränumeration werde ich noch nach Ablauf des Termins einsenden. Liefern Sie es denn für 6 [...] portofrey hierher?

Leben Sie wohl. Der Himmel mache jeden Ihrer Augenblicke glücklich – und – nochmals Dank für Ihren herrlichen Brief. Es thut so wohl, wenn das Herz des Nächsten Antheil [...] Schicksale nimmt!

Ihr

JEWagner.

Zitierhinweis

Von Johann Ernst Wagner an Georg Joachim Göschen. Meiningen, 23. Februar 1805, Sonnabend In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB1036


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Textgrundlage

H: DSBM Leipzig, Bö-GS/A/Wagner, J. E./Brief 3 : Kasten 14
1 Bl. 8°, 2 S.


Korrespondenz

Auf S. 2 aoR mittig Präsentat: Meiningen, 23n Febr. 805. | Wagner.