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Korrespondenz

Von Friedrich Mosengeil an Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen. Meiningen, 21. September 1808

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Meiningen d. 21 Sept. 8.

Da bin ich auch, mein hochverehrter Freund! Ich schwebe, – denn so wie ich jetzt zu Ihnen komme bin ich leicht und gedankenschnell, – Ihren Freunden voran, Ihnen entgegen, mich Ihrer Freude freuend; und wenn Ihre Arme sich auch noch so fest um sie schlingen, so finde ich doch noch Raum für mich. In Ihre Gespräche mische ich mich ein und schwatze dazwischen, ob man mir gleich nicht antwortet, ach! nicht einmal hört. – Nicht von Ihrer Seite weiche ich, wenn Sie gemeinschaftlich unter den lieben Fruchtbäumen wandeln, die ich als Blüthenbäume kannte; und den stillen Ort, wo umgeben von erweichten Männern, ein guter Knabe so sanft zerfloß, darf ich nicht fehlen — Bey Tische — |2 ach! mir auch ein Glas von diesem Laubenheimer , daß ich mich am Anschaun erquicke und am lieblichen Klang, denn diese Geisterlippen können nicht schlürfen. Darum schenken Sie, was ich von meinem Glase nicht genießen kann, jemanden der lange keinen Wein getrunken hat.

Recht, recht glücklich wäre ich so in Ihrem lieben Cirkel, wenn nur nach einer alten unabänderlichen Einrichtung das Fleisch nicht wider den Geist gelüstete. Ist auch, was ich bey diesem Besuche zurücklassen muß, nicht der beßre Theil meines Ichs, so möcht er doch auch gern mit, und dauert mich sehr; dadurch wird uns beyden denn doch im Grunde der Spaß verdorben. Solider ist es, [...] wenn ich mich auf die Zurückkunft der theuren Reisenden freue, die dann meiner Bitte, mir von Ihnen zu erzählen nicht unerfüllt lassen werden. – Und kommen Sie denn nicht im Winter selbst? – Fr. v. Könitz glaubt uns diese |3 schöne Hofnung machen zu dürfen; – und Sie? – – –

Gelesen sind alle Ihre Bücher; leider war für sie kein Raum im Wagen. Ich schicke sie nächstens mit der Post, und sage Ihnen dann auch meine Meinung über Tieck.

Der Wagen, sagt man, hält schon vor Thür.

Ich grüße Sie auf das herzlichste und versichre Sie noch [...] daß ich, was wie sich auch der zurückbleibende Theil seyn dabey geben [...] mag, bey Ihnen bin.

Ihr

Sie hochverehrender
Mosengeil.

Zitierhinweis

Von Friedrich Mosengeil an Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen. Meiningen, 21. September 1808. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1065


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Textgrundlage

H: Faksimile Baumbachhaus Meiningen (ehemals Slg. König),
1 Dbl. 8°, 3 S. Auf S. 4 Adr.: Dem | Herrn Major von Truchseß Hochwohlgeboren | zu | Bettenburg |.

Überlieferung

D: Ernst Wagner’s sämmtliche Schriften, hg. von Friedrich Mosengeil, Bd. 11, Leipzig: Fischer 1828, S. 187-188 (ungenau, mit Hinzufügungen, unvollständig).