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Korrespondenz

Von Minna Spazier an Friedrich Kind. Leipzig, 29. August 1809, Dienstag

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Leipzig 29 August 809

Was soll ich sagen um mein langes Stillschweigen bey Ihnen zu entschuldigen? Die Wahrheit – Ich habe Ihnen weder schreiben, noch Ihnen die Aushängebögen schicken wollen, ohne Ihnen die Summe beizulegen welche Sie erwarten dürfen. Dies habe ich bis jetzt noch nicht gekonnt. Sie sind zu billig um mich des Unmöglichen wegen zu miskennen. Ich will Ihnen nichts über die Ursachen sagen, die eine Stockung in allen Lebensverhältnißen, auch in denen hervorbrachten welche mich Ihnen gegenüber verlegen und zaghaft machten. Alles dieses, wenn es überwunden ist, erträgt betrachtet man am besten schweigend.

In wenigen Wochen wird nun der Almanach ganz fertig seyn . Mit dem Exemplar – denn eher vergönnen Sie mir nicht wieder schreiben zu dürfen –, erhalten Sie Alles, was mich Ihnen gegenüber jetzt gedrückt und muthlos gemacht erscheinen läßt. Ehe bitte ich Sie auch nicht um etwas Neues – dann aber gewiß, und mit festem Tone.

Heute geht ein Wechsel von 800 Gulden an Hartmann in Dresden zur Bezahlung der |2 Kupferstecher . Diese Herren weigerten sich die Platten ehe auszuliefern, ehe sie Geld sähen. Man hat ihnen gewähren müßen. Schweigen Sie aber von diesem Umstande, er ist nur einem Freund freundschaftlich getheilt. Ich selbst habe bis zur Befriedigung dieser Herren, den Verleger den die neusten Vorfälle in Holland , ohnedies mit beunruhigen – mit meinen Ansprüchen nicht ungestüm behelligen wollen. Ich habe gewartet, aber es wird wie gesagt nur noch bis zum Erscheinen des Ganzen nötig seyn.

Ihre Tulpen habe ich noch nicht erhalten. Ihr Brief an Harder ist bestellt, Ich schließe diesen Brief – bis ich ihn freien und heiteren Muthes wieder anfangen kann.

Ewig

Ihre Minna Spazier

Zitierhinweis

Von Minna Spazier an Friedrich Kind. Leipzig, 29. August 1809, Dienstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1078


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Textgrundlage

H: SLUB, Mscr.Dresd.App.42,251
1 Dbl. 8°, 1⅔ S. Auf S. 4 Adr.: An | Herrn Friedrich Kind | Wohlgeboren | in | Dresden. Frankierungsvermerk: frei.