Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Ernst Wagner an Friedrich von Müller. Meiningen, 15. September 1809, Freitag

Darstellung und Funktionen des "Kritischen und kommentierten Textes" sind für Medium- und Large-Screen-Endgeräte optimiert. Auf Small-Screen-Devices (z.B. Smartphones) empfehlen wir auf den "Lesetext" umzuschalten.



|1
Meiningen den 15n Sept. 1809.

Tausend Dank, mein Allerbester, für Ihre lieben Zeilen von Eisenach , sowohl, als für den guten, mir so werthen Fernow, dessen Gesicht sehr gut und kenntlich aus-, wenngleich auf dem Wege Hals und Brust in etlichen 20 Stücken ihm abgefallen sind. Ich lasse ihn ein nothdürftiges Hälschen vom Bildhauer machen, und werde ihn dann recht oft als mein lebendiges und todtes Mementmori beschauen, und stets dem freundlichen Geber mich dankbar verpflichtet fühlen.

Schön war es nicht von Ihnen und dem herrlichen Weibchen, dem ich die Hände küsse, daß Sie Meiningen so ganz linker Hand liegen liessen! Unser Einer ist freylich der Opfer schon gewohnt! Lebe ich aber fort – wie es noch immer das Ansehen hat – so sollen Sie mir hart genug für diese Untreue büssen, meine Besten!

Auch grossen Dank für die Mittheilung des niedlichen Gedichtes , das ich hier wieder anlege. Es gefiel mir sehr, und ich würde es gern ins Mblatt befördern, wenn nicht dieser Weg seit etlichen Monaten durch Cotta's Erklärung , wegen allzuviel aufgehäufter Beyträge nichts mehr vor der Hand annehmen zu wollen, leider versperrt wäre. Es würde aber eben so gut auch für die eleg. Zeit. der den Freymüthigen passen, wo ich nur leider keine Connexionen habe.

Von einem weitern Gedicht einer sehr jungen Dame , von dem Sie Meldung thun, ist mir leider nichts vorgekommen.

Leichtfertiger Mann! Was hat Ihnen mein Prädikat keusch gethan – ohne welches mir die ganze Caroline ( die ich übrigens für meine beste Frauenfigur halte , und an der sogar einmal der Sssmus Goth. nichts aussetzt als "daß sie zu männlich sey" ) gänzlich unschmackhaft seyn würde. Göthe dürfte wohl mehr daran auszustellen finden – denn ich bilde mir ein; daß sie dem Gotte wohl zu "scharfkantig auf dem Bruche" (um mich eines mineralogischen Ausdrucks zu bedienen) seyn mag.

Ewig

Ihr

getreuerJEWagner.

Zitierhinweis

Von Johann Ernst Wagner an Friedrich von Müller. Meiningen, 15. September 1809, Freitag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB1080


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

H: GSA, 68/618, Bl 24
1 Bl. 8°, 1 S.