Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Ernst Wagner an Friedrich von Müller. Meiningen, 29. Januar 1810, Montag

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Meiningen den 29n Jan. 1810.

Verehrtester Freund! In Rücksicht meiner beziehe ich mich auf meinen neulichen Brief. Schlimmres ist nur das, was mich jetzt doppelt drückt – daß mein liebes Mädchen am Brustfieber krank liegt.

Ich habe Ihnen mein Leben lang gar viel Mühe gemacht, lieber guter Freund. Lassen Sie mich heute auch noch eine Fürbitte für einen armen Schreiner mit 5 Kindern thun. Er hat drey Jahre lang an beyfolgenden 2 in Ahorn eingelegten Stücken (der alte Liebenstein und der Hohlestein) in seinen besten Stunden gearbeitet, und möchte sie gerne verkaufen. Er hätte gern 3 – noch lieber 4 Carolin dafür, lässt sie aber auch für zwey, da er in Noth ist und in dieser Gegend keinen Käufer findet. – Die Gegenstände sind wirklich äusserst treu dargestellt, und die Politur ist vortrefflich. Ich habe ihm gerathen, doch ja nichts dergleichen wieder zu machen, wenn er nicht vorher zeichnen und malen gelernt, damit auch Verständigkeit in seine Arbeiten komme, übrigens aber versprochen, mich möglichst um einen Käufer zu bewerben, da er sie Redlichkeit und Bedürftigkeit selbst ist. – In den Thüren oder an den Seiten eines schönen Meubles würden die Stücke sich indessen besser ausnehmen als in diesen Rahmen, – auch ist ja wohl im Schlosse des kunstbeschützenden Herrn Herzogs gewiß eine Sammlung solcher der Kunst sich nähernden Arbeiten – Kurz, ich sehe in Ihrer Stadt doch einige Aussicht, und wage es daher, Sie, edler Freund, um einige Bemühung deßhalb zu bitten. Wollen Sie, noch zuletzt und gleichsam vor Thorschluß und Sonnenuntergang auf mich zürnen? Sie, der es nie that? –

Tausend warme Grüsse an die freundliche süsse Minna!

EwigIhr

treuerunddankbarer
JEWagner.

Zitierhinweis

Von Johann Ernst Wagner an Friedrich von Müller. Meiningen, 29. Januar 1810, Montag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB1083


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Textgrundlage

H: GSA, 68/618, Bl 27-28
2 Bl. 8°, ½ S. Auf Bl. 2 Adr.: Sr | des Herrn Geh. Regierungsraths | von Müller | Hochwohlgeboren | in | Weimar . | Postfrey. | Nebst einem hölzernen | Verschlag, H. v. M. Weimar | signirt, worinn zwey | Gemälde befindlich. Post- und Taxvermerke, Siegelausriss