Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Ernst Wagner an Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen. Meiningen, 22. Juni 1811, Sonabend

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Meiningen den 22n Jun. 1811.

Freundlichster aller Ritter! Eigentlich sollten meine Jungen schon morgen frühe bis Nordheim – übermorgen bis Waltershausen – Dienstags bis Bondorf gehen, und Dich den Mittwoch mit dem Bilde des geliebten Bruders in B. unangemeldet überraschen. Allein der gute Köniz sagte mir gestern, (versteht sich im engsten Vertrauen) daß Du wahrscheinlich in diesen Tagen hieher oder nach Liebenstein kommen würdest, ich also nicht wohl thue, sich die Jungen jetzt abgehen zu lassen. (Mögest Du, Allerbester, nur in erfreulichen Sachen kommen und Dir nicht etwa eine Unannehmlichkeit zugestossen seyn!) Dazu kommt mir jetzt auch deine herrliche Kirsch- und Freudenzeit in den Sinn, die ich auch nicht gern zu unterbrechen wünschte – nicht einmal durch zwey kleine Jungen, denen Du doch am Ende viele Stunden sitzen müsstest. Und so denke ich, wir lassen Dich ungehudelt bis zum Nachsommer oder Herbst – und überdieß prophezeyhe ich dieses Jahr einen nicht heissen Sommer und einen herrlich kühlen Nachsommer, wo also die Wanderung für meinen noch immer zuweilen hustenden Carl desto ersprießlicher seyn wird.

Hier sendet Dir Anton – nebst heissen und wahrhaft sehnsüchtigen Grüssen von beyden Brüderndie zwey befohlnen Öhlenschläger , woran er die bestellte Änderung noch so gut es ihm möglich, gemacht habe. Auch folgt das Original dankbarlichst zurück. Ich möchte wohl einmal das lebendige Original sehen.

Unserm lieben Voß in H. habe ich geschrieben und Dein sehr gut, ja vielleicht am besten gerathnes Bild gesandt. (Überhaupt kann ich Dein Bild, du edle Gestalt, gewiß niemand gutem versagen – und Anton geht immer mit wahrer, ewig neuer und jugendlicher Lust daran, Dich von neuem aufzustellen, und freut sich kindisch, daß ihm nun |2 bald das freundliche Original wieder einmal sitzen wird!

Gegen H. Voß habe ich mein Herz ausgeschüttet in Rücksicht der blossen Übersetz- und Nichtselbstschaffungslust. Nimmt er es übel, so – – hilft es doch vielleicht!Auch habe ich ihm das, was von meinem J. v. Nazareth fertig von Grießbach zurück ist , gesandt.

Ich hatte in meiner Isidora, die nun geendigt ist, ein Gespräch zwischen dem Deutschen Ritter und dem Deutschen Dichter (d. i. zwischen Dir und Dagobert ) über alte und moderne Zeit, vorbereitet, habe es aber nach reiflicher Überlegung herausgelassen und bis an einen andern Ort verspart. Du sollst aber einst nicht zanken, wann es Dir zu Gesichte kommt! – Hörst Du, Bester?

Könizens nebst dem Prinzen und dem übrigen noch hier gebliebnen Hofe sind so eben, morgens acht Uhr, nach Altenstein abgereiset.

Ewig, ewig

Dein

treuester
JEWagner.

Zitierhinweis

Von Johann Ernst Wagner an Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen. Meiningen, 22. Juni 1811, Sonabend In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB1102


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

H: Faksimile Baumbachhaus Meiningen (ehemals Slg. König),
1 Bl., 1½ S.

Überlieferung

D: Briefe über den Dichter Ernst Wagner, hg. von Friedrich Mosengeil, Bd. 2, Schmalkalden: Varnhagen 1826, S. 158-159 (ungenau, gekürzt).

D: Ernst Wagner’s sämmtliche Schriften, hg. von Friedrich Mosengeil, Bd. 12, Leipzig: Fischer 1828, S. 258-259 (ungenau, gekürzt).