Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Caroline Richter an Konstantin Karl von Falkenstein. Bayreuth, 17. Februar 1826, Freitag

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Baireuth den 17ten
Febr. 26.

Gestern erhielt ich Ihren Brief , lieber Herr Baron, dessen Inhalt in mir die freudigste Ueberraschung erregte . Vorzüglich aber ist es Ihre Güte, Ihre Freude a m n der Mittheilung so günstiger Constellationen für mich, die mich rührte und beglückte. Sie müssen sehr gut sein, aber Sie haben Menschen gefunden die es erkennen! Lassen Sie mich einstweilen nur mit Worten danken, bis ich es in der That kann.

Ich schicke Ihnen nun hier das unterdessen für Ihren unschuldigen liebenden Wunsch Gesammelte , und wünsche daß es Ihnen genügen möchte. Sollte es indessen nicht sein, so haben Sie die Offenheit es mir zu sagen. Immer werde ich die größeste Freude darin finden Ihnen gefällig zu sein, Sie können sicher und immer auf mich rechnen, ich verändere mich nicht, und bin eine Frau von Wort.

|2 Erlauben Sie mir eine Frage!: Gehören Sie zu der Familie Falkenstein, welche früher auf einem Gute unweit Dresden lebte , und erst seit 2 Jahren in D. etablirt ist? In dieser Familie die ich meyne ist die Mutter eine geb. Gräfin König die durch eine seltene Vereinigung von häuslichen Tugenden mit den höheren Gaben der Poesie , merkwürdig ist; und ich kenne die Liebe dieser Familie, für meinen verklärten Gatten. Durch eine nun auch gestorbene Schwester der Herrn von Falkenstein , ward ich genau mit den Tugenden derselben bekannt, und verehre sie innig.

Ich habe einen Neffen in Dresden, den Sohn des seel. Hofrath Spazier – er selbst Cand. juris. Er ist zu erfragen beim Kaufmann Abeken in der Rahmschen Gasse

seinem Schwager
. Ich hätte wohl den Wunsch, ein so edler Mann wie Se, näherte sich ihm, denn er lebt verschloßen, weil er mit Recht und Unrecht, aus Bescheidenheit und Stolz und Mißtrauen gegen die Theilnahme der Menschen an ihn, der noch keinen bürgerlichen Rang als die kürzlich erhaltene Doktorwürde hat, keinen Schritt thut, um sich Freunde zu erwerben. Und doch |3 liegt so viel Schönes und Gutes in dem jungen Menschen, daß ich einen Gärtner wünschte der diese einsame Pflanze mit dem Hauche des Wohlwollens und der Liebe erwärmte. Möchten Sie, mein edler unbekannter Freund dieser Gärtner sein wollen, so würden Sie wenigstens durch Etwas, Ihnen sehr Werthes dafür belohnt werden können, denn Er war es, der von meinem leidenden Engel zur Hülfe hieher berufen wurde, die Zusammensetzung und Ordnung der "Werke" zu fördern, die welches für den so unaussprechlich leidenden Kranken einen so schwere Aufgabe war. 14 Tage genoß er das wehmütige Glück den Göttlichen zu hören, und voll Enthousiasmus für Ihn, der in der täglich steigenden Verklärung sowohl des Geistes als des Körpers einem Plato glich, schrieb er jedes seiner Worte nieder. Wie unaussprechlich intereßant wären nun diese Mittheilungen welche der junge Mann auch anfangs heraus geben wollten, allein eigne Verhätnisse brachten bei ihm eine solche Stimmung der Seele hervor, die auch dieses heilige Vorhaben unterdrückten.

Fänden Sie Wohlgefallen an dem wirklich sehr intereßanten aber durch Kummer verstummten Menschen, so ziehen Sie ihn in die Welt hinaus – zu Baggesen, der ein Freund seines Vaters war, zu Tiedge, und |4 der edeln Recke, welche seinen Besuch erwartet und wo möglich in einem liebenden Familienkreis unter gemüthlichen Menschen. Ein ungemeines musikalisches Talent, und eine schöne Tenor Stimme machen in zu einem willkomenen Gehülfen bei musikalischen Uebungen.

Allein eben so offen meine Bitte, und so groß mein Vertrauen zu Ihnen ist, eben so offen sagen Sie mir Ihre Meinung über ihn, wenn seine Individualität Sie nicht ansprechen sollte, oder Sie überhaupt Gründe hätten meinen ganzen Wunsch unerfüllt zu lassen. Alles ist zu ehren an einem Menschenfreunde.

Mit innigster Achtung und Dankbarkeit für Ihre Gesinnungen so wohl als Ihre Handlungen erlaube ich mir nur den Wunsch der Fortdauer Ihres Wohlwollens, und der Gelegenheit mehr als einmal Ihnen zu zeigen, wie sehr ich bin

Ihre

ergebenste
Caroline Richter
geborene Mayer
Wittwe Jean Pauls

Kennen Sie Baggesen und Tiedge so danken Sie Letzteren für seinen schönen Brief , und den kranken leidenden Baggesen , sagen Sie Grüße der Trauer um sein Leiden! Möge er auferstehen.

Dieses theure Fragment aus seiner Biographie bleibe Ihr Eigenthum, und Sie dürfen es Freunden vorlesen, aber nicht zum Drucke gebrauchen lassen.

Zitierhinweis

Von Caroline Richter an Konstantin Karl von Falkenstein. Bayreuth, 17. Februar 1826, Freitag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB1156


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Textgrundlage

H: SBM Monacensia, Richter, Karoline A I/2
1 Dbl. 8°, 4 S.