Von Emanuel an Caroline Goldschmidt. Bayreuth, 17. Juni 1807, Mittwoch

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Bayreuth, 17 Juni 7.

Zwei berliner und Ein prager Blatt aus Ihrer guten Hand, Caroline, liegen vor mir und rufen überlaut nach Antwort.

Nicht so laut und nicht so lange würden sie zu rufen gehabt haben, hätt' ich sie im Winter bekommen, wo ich häuslicher lebe.

Ich nahm Ihren "11 April" mit auf das Land , um ihn dort schon zu beantworten. Ihr "9ter Mai" traf mich daselbst und in so vieler Arbeit, daß ich beide wieder mit nach Hause nahm.

Da gab es wieder so viel zu thun, daß ich wieder nicht an mich und meine Freunde denken konnte.

Eine mir übertragne Vormundschaft nimmt mir besonders sehr viele Zeit.

Möchten mirs die zwei Mädchen einst dadurch belohnen, daß sie mir Freude machen und gut und fromm werden.

Ihr drittes Blatt kam als Exekuzionspatent nach.

|2 Vor einigen Tagen, als ich von einer kurzen Reise nach Bamberg zurück kam, legte ich alles vor mich und nun müssen diese Worte mit der ersen Post an Sie abgehen.

Wahrscheinlich wissen Sie doch nicht alle Gegenstände mehr, über die Sie mir geschrieben; ich will also nur mit einigen Worten das nöthigste erwiedern.

Aber voraus gehe mein inniger Dank, für Alles was Sie mir geschrieben.

Lieb ist mirs, daß Sie das Land des Unfriedens verlassen und das des Friedens betreten haben; wozu ich Ihnen Glück u Segen wünsche.

Gott segne den zweiten Schritt Ihres lieben Bruders.

Meine gute Mutter ist immer noch nicht wohl , leidet oft und viel und das nimmt sie in ihren Jahren zu sehr mit.

Könnt' ich Ihnen doch mündlich für Ihr Gebet um ihre Erhaltung, das ge- |3 wiß erhört werden wird – danken!

Was ich zur Erhaltung der Guten und zu ihrer Erholung beitragen kann, und wär' es mein unbedeutendes Ich selbst, das thu ich gerne.

Weil Sie so schön für ihn bitten, würd' ich dem Pik geschrieben haben, wenn Sie noch bei ihm wären; da Sie das aber nicht sind: so schreib' ich ihm nicht .

Mich freut sein Glück in diesen Tagen des Unglücks sehr; aber eben so sehr aerger' ich mich über seine Eitelkeit . Otto ist noch in Heiligenbeil , hofft aber bald zu uns zu kommen.

Hier spricht man viel von Frieden, an den ich leider! noch nicht glauben kann, so sehr ich ihn, wie jeder Menschenfreund – wünsche.

Jette ist vor 18 Tagen v. Regensburg n. Carlsruh gezogen und die kleinste Uhlfelder mit ihr .

Richters sind mit ihren Kindern wohl.

|4 Die Spazier ist gegenwärtig in Berlin.

Ich bin Gottlob! gesund, mein Bruder u mein Uhlfelder – die Sie beide recht freundschaftlich grüssen – sind es, dem Himmel sei Dank, auch.

Thieriot leidet an einer angenehmen Krankheit, an der Liebe.

Er liegt zwar nicht; aber er ist gefährlich krank und läuft dabei so in der Welt herum, – erst kürzlich besucht' er mich auf dem Lande u hier – daß ich wirklich seinen jetzigen Aufenthalt nicht weiß .

Umsonst strecken Freunde und Bruder ihre hilfreiche Hände nach ihm aus.

Mög' es Ihnen in dem genußreichen Wien wohl ergehen, gute Car.!

Möcht' es Ihnen überall und stets so ergehen, damit meiner Seelen Wunsch wahr werde!

E.

Zitierhinweis

Von Emanuel an Caroline Goldschmidt. Bayreuth, 17. Juni 1807, Mittwoch. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1285


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Textgrundlage

Hk: ehemals Slg. Apelt,
1 Dbl. 8°, 4 S.