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Korrespondenz

Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 6. Juni 1802, Sonntag

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Bayreuth, Sonntg, 6 Juny 1802.

Thieriot!

Nimm Danck so viel und noch viel mehr als Du willst für Deine lieben Worte aus Triesdorf und aus der Landarche .

Donnerstag schon hab' ich Jaques Brief bekommen, da ich aber wußte, daß er Dich nicht mehr weit von uns finden würde: so weiß ich jetzt recht gethan ihn bei mir gehalten zu haben

Nun sollst Du ihn auch unter Palmens Addresse am 2ten Festtag empfangen.

Die Anspacher verdienens schon, daß sie Dir nicht gefallen haben, und daß Du I i hnen den Gefallen nicht gethan hast I i hnen Wort zu halten d. h. ihnen zu gefallen , das gefällt mir

Mach' es, wie ich, mein Thieriot, geige den Fürsten Wahrheit und reiße ihret wegen nicht mehr Dich von der Freundes Brust um zu ihnen zu reisen.

|2 Schreibe, wenn, wann und so wenig wie kannst Du dieß nicht oder so viel Du uns schreibst, bestimmt / deutlich an wen Du schreibst , weil wir uns sonst leicht um den Besitz des Schreibens, so wie Manche viell. jetzt schon um den des Schreibers, streiten könnten.

Sage uns immer, wir sind wie die Kinder und die Mädchen – wer grüßen und wer gegrüßet werden soll.

Du bist unser tägliches Brod, das man nie genug bekommt, unser Gespräch und unsere Unterhaltung.

Recht aufrichtig – wie es von noch aufrichtigen Mädchen, noch zu erwarten – ist der Schmerz der Ella u der Zierla, über Deinen gewiß nicht ernsthaften Entschluß, uns zu hinter- d. h. zu umgehen . Uhlfelders grüßen.

Kein Mensch von den Deinigen, will Dirs verzeihen hier, wenn Du nicht hier Dir verzeihen lässest.

Ich vermuthe Deine Ursache vermuthlich; warum sollen aber durch Unschuldige mit Un- |3 schuldigen leiden?

Leb Sei und schlaf nur noch einige Stunden in meinem Haus; Deine Freiheit soll gewiß mehr Raum haben, als dieses kleine Gebäude hat; aber umgeh die Deinigen in Bayreuth nicht.

Christian u Amoene grüßen Dich und sie läßt Dir viell. noch etwas zulangen, das zu langen soll .

Wenn Du willst, daß Deine bleiene Worte zu geschwind vergehen sollen: so mußt Du mirs sagen, denn ich habe sie, denk' ich, nicht nur ganz verstanden, sondern auch ganz und dauerhafter abgeschrieben

Das Unterstreichen ist eine bekannte Art und Weise; aber das Oberstreichen streichet so wenig heraus, daß ich, wenn ich Dich recht genommen habe – beinahe ein Ausstreichen mehr herausstreichen könnte.

Damit Du kommen kannst, so bald Du |4 kommen kannst: so will ich Dich v. Mitw. an stündlich unangemeldet – aber nicht triesdorferisch – erwarten.

Meine Brüder wollen Dich gewiß grüßen.

Gestern hat der alte General und ich beid Quartiermeistersschen einen 2 Stündigen fröhlichen Thee getrunken.

Deine Vanille wird Dich mit ihrer vermehrten Veränderung freuen .

Leb wohl, Thieriot.
Thieriot, leb wohl!

Emanuel

Zitierhinweis

Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 6. Juni 1802, Sonntag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1434


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin V, 138
1 Dbl. 8°, 3½ S.