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Korrespondenz

Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 17. und 18. August 1802, Dienstag und Mittwoch

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Bayreuth, 17. Aug. 1802

Mein Thieriot! Du hast mich mit Deinem lieben Brief v. 28ten Julii in eine sehr große Verlegenheit gesezt.

Ich habe mit meinem Schreiben immer gezögert, weil ich nicht geglaubt habe, daß Du in Paris so ruhig bist, wie Du es bist und daß Du Dich nach geschwinden Briefen von mir umsiehest; weil ich geglaubt habe ich dürfte von Dir unbeantwortete Briefe, von Dir aus Paris, erhalten; weil ich weiß, daß der Arme dem Reichen nichts reichen kann, als Arme.

Von meinem Reichthum d. i. von meiner "Schwester- und Bruderliebe" zu und von Dir glaubt' ich mit Recht, Dir nichts sagen zu brauchen, denn den kennst und fühlst Du ganz.

So gar des Dankes für Deine Liebe und der Zeichen derselben glaubt' ich mich, weil Du mich kennest, überhoben zu seyn und so wollte und könnt' ich mein Nichtantworten noch lange – aber für mich – jezt – doch nicht hinlänglich verantworten.

Dieses mal nur sollst Du Deine Hand so lange nach der meinigen ausstreken, in der Zukunft gewiß nicht mehr.

Auch Deiner Jeanette wollt' ich schreiben und hab' es nicht gethan !

Oft will ich mir, als Strafe, diese eben |2 nieder geschriebenen eilf Worte wiederholen und vorwerfen.

am 18ten.

Laß mich viel Dir über die Theilnahme an Deinem Verluste sagen, laß mich – schweigen!

Am 24ten Julii schikte mir Dein Bruder meinen ersten Pariser Brief an mich und die 2 an uns, mit einigen kalten Worten und kein einziges über die Entschwesterung.

Ich habe ihren vorletzten Brief an Dich nicht nur gelesen, ich habe mir einiges davon ausgelesen, das ich ihr sagen wollte und es Dir nun gestehe und Dich um doppelte Verzeihung doppelt bitte.

Könntest Du doch mein Herz sehen, wenn ich einen Brief von Dir sehe!

Dein Eisenacher-Saalmünsterer-Ffta/Mainer Brief lies mich nur zu deutlich fühlen, daß Deine Reise in mancher Rücksicht hätte schöner seyn können, wenn Du freier gewesen wärest.

Frakft. kenn' ich und hab' ich es 3 mal besucht. und w W enn es seyn kann: so hol' ich Dich – wenn Du es willst, auf Deiner Heimreise dort ab zu mir.

Deine Triesdorfer und Pariser Briefe |3 hab' ich an Richters und auf Verlangen alle meine neuen Briefe v. Dir geschickt.

Da ich aber die letztern noch nicht wieder zurückhabe, so muß ich mich, ohngeachtet ich weiß daß Du in der Schweizer Strasse, am Winkel / Ecke des heiligen Augustin, im Burgundischen Hause bist – denn ich begleite Dich mit meinem Plane und mache Dir öftere Besuche – weil ich die Addresse doch nicht ganz genau behalten habe, Deiner ersten Addresse noch einmal bedienen.

Sei doch nicht so ungeduldig nach Schmerz ; Du Guter wirst noch gepakt genug von ihm werden.

Nun hoff' ich bald recht viel von Deinem Carrieren Leben zu verstehen.

Ich habe mir's immer gedacht, ein Deutscher müßte in Paris viel entbehren; aber ich habe nicht gedacht, daß es Dir nicht besser in ihm gefallen würde, als es Dir gefällt.

Erkundige Dich aber doch recht genau nach dem Dorfe b. Marseille und nach Allem.

Unser und mein Leben hier wird einfach und meistens ländlich verbracht und verwendet.

Vergangenen Sonntag waren Ottos , Uhlfelders und ich in Sanspareil, einem natürlichen Lust- und Seligkeitsort 5 Stunden von hier.

Du und ich müssen daselbst bald selig |4 seyn.

Ich nahm Deinen letzten Brief mit dahin und Schreibzeug, um ihn daselbst zu beantworten; aber die Kinder Uhlfelders / Israel ließen mich nicht so lange allein.

Gestern waren der General Unruh mit seinen Töchtern , Otto, Uhlfelder u ich bis in die spate Nacht zum zweiten male vergnügt auf unserm Berg und b. uns. Bauern in der Hütte auf der Tenzenlohe.

Überall bist Du laut und b. mir in der Stille dabei.

Richters waren 14 Tage vergnügt in Weimar u Gotha und sie beide sind zu dritt in der besten Hofnung unendlich glücklich, gesund und heiter.

Unserm Otto gehts jetzt viel, viel besser , also auch mir und ich kann nun hoffen, daß es immer und noch viel mehr besser gehen wird.

Du mußt mir, nicht Dir, für die Mädchens Uhlfelder manches kaufen, was man nachmalen und nachspielen kann . Ich will Dir eine Anweisung nach Paris schicken, sag mir wie viel Du willst.

Otto, Amoene, Uhlfelder, Ella, Zierla u mein jüngerer Bruder küssen und grüssen Dich, Thieriot, recht heiß, durch mich.

Wir alle lieben Dich sehr; aber, Thieriot, mich hast Du doch nur Ein mal, Deinen

L' ame nue

Zitierhinweis

Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 17. und 18. August 1802, Dienstag und Mittwoch. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1447


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