Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 24. und 25. Juni 1803, Freitag und Sonnabend

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Bayreuth, 24 Juni 1803

Mein Thieriot. Ich wollte daß Dein Nachläufer Deinem Vorläufer vom 14 d. M. bald nachlaufe und Du sie beide bald einholen möchtest!

Die (die Hälfte bittere und die andere Hälfte süße) Makronen sollen weder Dir noch einem Dritten sauer werden, sondern durchaus keine Mühe machen.

"In jedem Falle" wären mir die, die süßesten, die Du selbst, indem Du sie für mich kauftest benaschtest.

Die Vögelein fallen ja auch nur über die süßesten Kirschen her.

Und "In jedem Falle" wären mir die süßesten, aus jeden andern, als aus Deinen guten Händen, noch immer zu bitter genug.

Auf dem guten Falle, daß Du die Makronen-Fabrik schon hinter Dir hättest: so laß mich ohne Makronen.

Du sollst doch keinen Hunger hier leiden, Du mein Durst!

|2 Hier bin ich wieder in besserem Geleis, in einem etwas breiterem und vielleicht, mit Hülfe des Herrn schon bis Du kommest in einem noch besseren, auf dem Wege aus der Einsamkeit.

Warum verschweigst Du mir Deine Frankfurther p Ehren-Erndte?

Wenigstens oder höchstens verschaffe mir die Addresse der MakronenFabrik.

Am 4ten ist Richter in Coburg eingerückt ohne die mindeste ReiseUnannehmlichkeit.

Schon am 10ten schrieb er und unter andern eine Frage nach Dir .

Komm ja im Julii, wenn Du's machen kannst, und profitire vom vom guten und schönen Wetter, denn Richter prophezeihet schlechtes.

Vor 10 Tagen war ich, seit dem ich mit Dir dort war, wieder das erste mal in Schwarzach einige Tage recht vergnügt.

Die Caroline Bachof, die / der ich Dir / Dich gerne gezeigt hätte u noch eine jüngere Schwester waren da.

Ich erwartete sie während Deiner hiesigen Anwesenheit; um so unerwarteter war |3 mir die vor einigen Tagen erhaltene Nachricht ihrer – auf väterlichen Wunsch u Willen – schnell erfolgten Ab- u Heimreise.

Für Damen verändert man sich und diese verändern sich wieder für uns in zwei Jahren mehr, als wir Herrn der Schöpfung uns für uns in 6, 8 vielleicht 10 Jahren nicht verändern.

Wenn ich meinen Freund in mehreren Jahren nicht gesehen, ja, wenn ich in diesen vielleicht nur wenige schriftliche Worte, oder auch gar keines von ihm, od. er von mir gesehen: so kann ich doch mit (mehr) Gewißheit voraus wissen, wie er mich wieder aufnehmen wird.

Mit dem schönern und schwächern Menschentheil ist's nicht ganz so: Anwesenheit und Abwesenheit wirken anders auf sie ihn , als auf uns.

Lerne Du zeitlebens was Recht ist; was einem Weibe immer Recht ist wirst Du nie recht können / kennen lernen.

Verzeih mir, Alter, diese n s Artikel Kapitel , |4 wenn es Dir nicht recht seyn sollte.

Ich mag keinen weiblichen, wenigstens keinen weibischen Mann; ich mag auch kein männisches Weiblein; aber ich wünschte denn doch, im allgemeinen – um ihres eigenen Wohls und des unserigen Willen – den Schwachen mehr Kraft.

Gartenhaus, am 25t

Emanuelslust soll es erst dann ganz so heißen, wann Du recht lustig in ihm bist.

Ich kam so eben, heute zum zweiten Male hier heraus, um Dir zu sagen, daß ich so eben von der Amöne komme, die Dein Aussenbleiben auch zu lange findet und daß ich hier meine trockene Nachtsuppe genießen will.

Meine Tischgesellschaft soll sich selbst hier unterschreiben; sie ist schon da, ich darfs ihr also nur sagen: Uhlfelder, Ella, David, Fritz, Zierla p.t. Salatwäscherin.

Komm bald u iß mit uns, Thieriot.

Heute will ich Deine Gesundheit trinken.

Den Salat bauet der Uhlfelder selbst, was willst Du denn mehr, als mich?

Emanuel

Zitierhinweis

Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 24. und 25. Juni 1803, Freitag und Sonnabend. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1478


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin V, 138
1 Dbl. 8°, 4 S.

Überlieferung

Hk: BJK, Berlin A
½ S. auf S. 2. des Briefes von Paul Emile Thieriot an Emanuel vom 14. Juni 1803 (unvollst.).


Korrespondenz

B: Von Paul Emile Thieriot an Emanuel. Connewitz, 14. Juni 1803