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Korrespondenz

Von Paul Emile Thieriot an Emanuel. Offenbach, 1. und 8. Februar 1805, Freitag und Freitag

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Offenbach a/M 1/2 5

Nein sie ist durchaus mit nichts zu vergleichen, die Sauberkeit und Stille, Geräumigkeit und Pracht meines Wohnens; rechte Gleißnerei ist unter meinen Schreinermöbeln und besonders auf meinem ganz neu gemachten in grün Wachst ü u chern i m it schmalen Holzleisten gefaßten Schreibtisch, der sich eben von der zu 2 Straßenfenstern durch die Häuserlüke gegenüber hereinfallenden MittagsSonne breit bescheinen läßt – Richter soll mir die Partizipialkonstruktion loben – Mit nichts, sagst Du, als mit meinem blauen Zimmer – und behältst Dein gelbes, Dein braunes und Dein Cabinetlein noch in petto.

Komm nur her, versetz' ich.

Wenn Du ich nun aber komm st e , so laß uns, sagst Du, reiflich |2 überlegen, wo ich eigentlich wohnen, in welchem Bette schlafen soll – denn Du hast doch wohl nur Deins? – kurz, wie ich bei Dir anders leben kann, als wie – Du, und ein anderes Thier.

Ich muß gestehn, ich wußte Dich sonst beßer redend einzuführen, als ich nichts zu thun brauchte, als Dir nachzuschreiben – indeßen sprichst Du gar nicht schlecht.

Freund, Du weist ich maße mich nicht an, der Erfinder der ökonomischen Kunst zu seyn – ich glaube es gelang mir bis jetzt noch, dem Vorwurf der Pedanterei in der Ordnung zu entgehen: aber so viel glaub' ich einzusehen, mein Logis muß uns beide faßen.Vorausgesetzt, daß Du ein Bett (oder auch Bett-Sofa) in einem größern WohnZimmer als Deines gelbes ist, leidest. Sonst kannst, und wenn Du etwa Löb oder sonst jemand mitbringst, |3 mußt Du mein Logis ganz nehmen, und ich ziehe dann gar nicht weit von Dir in das noch gar nicht aufgegebene Musikhaus zimmer. Ein Plan, den ich schon in diesem Monat mit meinem Bruder, wenn er noch kommt, auszuführen gedenke. – Mein Bett aus dem im Musikhaus steht mir nämlich auch noch zu Dienst.

Freund, schreibe mir in Zeiten woran ich bin, und habe mir schon darüber geschrieben. Denn ich denke, eine Antwort auf den meinen einen oder den andern vorigen Brief muß schon unterweges seyn.

– Dieser Februar fängt sich überhaupt an, als wollt' er Deinen alten Haß versöhnen -

Hätt' ich eine beßere Feder, so schrieb ich noch Bogen. So schließ ich. Mein Bruder wird mir schon einiges schneiden .Gute Nacht Uhlfelder, gute Nacht Otto, Gute Nacht, Emanuel. Gute Nacht, Richter.

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So lange hielt ich Brief und Briefträger noch von Dir ab. Aus Ingrimm laß ich ihn beide endlich fahren.

Guten Morgen, Frauen!

Th.

Wenigstens das hofft' ich, die Copie Deiner Antwort auf einen so alten Brief einmal wie sonst auf der leer rein gelaßenen Seite zu finden. Jetzt [...] bist Du im Stand und bringst das Antwörtchen noch drauf.

Zitierhinweis

Von Paul Emile Thieriot an Emanuel. Offenbach, 1. und 8. Februar 1805, Freitag und Freitag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1574


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Textgrundlage

H: ehemals Slg. Apelt,
1 Dbl. 8°, 3½ S.


Korrespondenz

A: Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 13. und 17. Februar 1805

Präsentat: 17ten Febr beantw.