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Korrespondenz

Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 1. Oktober 1805, Dienstag

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Bayreuth, 1ten Oct. 1805.

Thieriot. Jetzt erwart' ich meine Mittagssuppe, dann geh' ich, wenn ich sie gegessen habe, mit meinem Uhlfelder, der Dich wenigstens eben so oft grüßet, als ich Dir schreibe, nach der Eremitage, da ich nicht weiß ob mir dann, wenn ich zurück komme – in der meinigen so viel Zeit bleiben wird: so will ich Dir jetzt einen kleinen Frachtbrief zu meiner natürlichen Tochter schreiben und meinem geliebten Sohn eine Ladung Dank, für seine lieben Worte schicken.

Mein Bruder Enzel sagte mir, es hätte sehr ordentlich bei Dir ausgesehen.

Mein Bruder Israel kommt in 8-14 Tagen nach Hause , ob zum Besuch, oder zum Bleiben, will ich Dir schreiben, sobald ich es selbst weiß.

Mein alter Unruh ist gestern |2 an seinem Alter – eine eilende Krankheit – gestorben und hat sterbend noch seinen Emanuel grüssen lassen.

Meine Caroline Bachof war in Offenbach und hat Dich nicht gesehen.

"Wo ist Thieriot, was treibt er mit der Kunst der Feder und des Bogens? Grüssen Sie ihn" schrieb wörtlich die Kalb , die wieder gegrüßet werden soll.

Möge in dem "Lande" Deines Bruders Milch und Honig fließen, ihm und Dir und Freudenthränen nur!

Deine Hofmann ist wieder noch besser und bräver und verdient schon, daß sie Dir vorausgehet und Du ihr nach, in die Mühle ; aber doch wünscht' ich nicht, daß Du ihr zu weit entgegengiengest oder überhaupt zu weit, denn selten sind die Mädchen, selbst die Seltensten, etwas anderes als Evas, und die Evas – wenn sie nicht |3 Weiber sind – Mädchen.

Im Anfang ist jeder ein Engel und am Ende will kein Teufel die Schlange gewesen seyn.

M [...] ein Christianus regimentquartiermeistert und muß leider! vielleicht ins Feld – denn das Regiment ist mobil.

Von Regensburg hab' ich auch schon einige Zeilen Briefe und Antwort bekommen , seitdem sie so gesund zu Hause sind – als Richters und ihre Kinder hier.

So viel ist gewiß – ich möchte mich in einer Welt wo lauter Männer und gar keine Weiber wären weit kürzer herumtreiben – als i ch n der wo ich bin und Du!

Emanuel

Zitierhinweis

Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 1. Oktober 1805, Dienstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1617


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin V, 138
1 Dbl. 8°, 3 S.


Korrespondenz

A: Von Paul Emile Thieriot an Emanuel. Offenbach, 7. und 8. Oktober 1805