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Was mich nach Yverden zog? Das Innerste ist: Meine Sitten zu beßern in der Frugalität Vieler. Wer halb so viel brauchen lernt, darf halb so viel verdienen, kann sein Gewissen, über Kunstgeben für Geld, rein erhalten. Wer reine Stimmung erworben, findet und endet Arbeit, fühlt sich vielleicht noch als Mann, vermag die Ehrlosigkeit eines Jugendalters vielleicht auszulöschen, auf reinen Boden zieht ihm Gott seinen Kreis um ihn.

Noch ist von dem eher das Gegentheil geschehen. Unter Vielen wird auf Einen weniger geachtet. Viele kann Einer weniger achten. Das Beispiel von Geliebten, oder keines ist im Guten wirksam. Es wird hier vielleicht so viel gethan als irdisch u zur Zeit irgend gethan werden kann, und es ist mir nicht genug. Wenn ein solch vielknabiges Eden mehr Besinnungen der Kraft giebt (hier springt, hier sprengt eine die andre hervor) so ist es im Hause nicht genug an einer gewöhnlichen Harmonie des Hauses, Ebemaaß, Anblick von Ordnung u. Schönheit mußten wie Säulen das Höherbauen bewilligen, Väter, eine Gesellschaft der Eltern allein, die sich nahetretenden Häuser u Häupter, können erreichen, daß die Vortheile des Knaben[...] niemals da seyen, und der Schaden nicht.

Wer ist das der so viel weiß, von Vätern spricht, u. kein Mann ist? Er steht allein in der Wüste, u. Niemand ahme ihm nach. |

Noch glaubt' ich meinen äußern Erwerb hier zu finden, den ich wie man sagt nöthig habe. Die Wahrheit ist, daß nocht nichts davon erfahre.

Wüsst ich nur was mit Eva (dem theuersten Wesen außer noch Einem, das Du bist) geschehen sollte – Versteh' mich wohl: ihr Schicksal u. ihr Dauern auf der Erde übergeb' ich Gott – was er durch mich daran beßern will, macht mein Leben auf der Erde werth. Aber was nach allem Geschehenen und nachdem ich weiß, wie es um meine Phantasie geschehen, nach Menschengesetz durch mich geschehen soll, nach Gottes darf, das muß ich doch wißen, damit ich nicht mehr ihr Mörder werde, als ich schon bin .

Verzeeihe mein Emanuel, daß du keinen Brief bekamst . Die Steine müßen erst vom Herzen los. Grüße Richter und erzähl', daß ich vor jedem blühenden Baum auf der Fußreise (die ich [...] mit fl. 12 xr 27 von Stuttgart hieher gemacht) geächzt und neben dem Rheinfall vorbeigeeilt habe.

Lebe recht wohl.

Zitierhinweis

Von Paul Emile Thieriot an Emanuel. Yverdon, 24. Mai 1808, Dienstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1680


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Textgrundlage

h: BJK, Berlin V, 138
Briefkopierbuch der Briefe Thieriots an Emanuel, H. 2, S. [32]–H. 3, S. [1].


Korrespondenz

A: Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 20. Juni 1808