Von Paul Emile Thieriot an Emanuel Osmund. Wiesbaden, vor dem 1. März 1822 bis 26. März 1823

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"Da wohnt Ein Aar im andern" sagte Eva, als

Daß mein letzter Brief an Dich von vorigem Jahr nicht an Dich gekommen seyn soll sammt seiner Einlage an Richter – die noch dazu eine Verheißung, im Jahre 1820 zu kommen, brieflich erfüllen sollte – hat mich bis heute so verdroßen und verstokt im Schweigen gemacht oder doch nicht beßer gemacht den schon vorhandenen Stok.

Guten ersten März 1822

und lauter gute Nachkommen deßelben meinem Emanuel!

Morgengruß vom 12. März meinem Emanuel!

17. März 22 früh

Wollt' ich mir endlich gar ein Gewißen daraus machen, mein Gewißen zu befriedigen in dem was ich einmal so weit kommen laßen: so käm' es immer weiter. Nein, es muß etwas an Dich ab |2 gesendet werden.

"— Ein Aar im andern" sagte Eva am 29ten Januar 1821, als aus dem Adler dahier Wangenheim erst zu uns nach mir schikte, der dann kurz vor dem Wiederabfahren zu uns kam und – als Ersatz für den eigentlich bestellten, wirklich durch ein en Brief Antwort-Postscript vorher bei ihm bestellten kleinen Nürnberger 2 Kr.-Almanach – den schweren durchschoßenen ein- und grünum-bundenen "Schreib-Almanach für das Jahr MDCCCXXI – Ausgefertiget durch Marcum Freund –" aus der Tasche zog, in der er ihn seit Frankf. für mich hatte. Aber auch Deinen Brief an ihn , Deinen Brief, einen rechten Lesebrief, ausgefertiget durch Emanuel Osmund, zog er heraus – auch den hatte seine Güte für mich mitgenommen – und ich las die Nachrichten von Otto's Glük in wichtigen Bemühungen. – Von Otto's Schriften u. Amönens (deren Roman , schriebst Du einst , Richter, der strenge Richter lobte) hab ich doch noch gar nicht gelesen! –

|3 Vom "26/6 21" find' ich "An Em."

"Mein Lebensweg geht über die Friedrichstraße. Bei den Haaren zieh' ich zum Anstand beim Sitzen. Wenn einer, die Augen nicht ausgewaschen, früh kommt: Wie darfst Du Dich sehen laßen, eh Du selber siehst?"

Das ist von mir. Daneben liegt von Eva: "Febr. 21" (von uns. bevorsteh. Ausziehn aus der Casernennähe am Ende der längsten Straße hier, die dazu auch lang ist, u. breit u. gerad): "Was werden denn die Leut sagen, wenn der Sturm nicht mehr über die Friedrichstraße tobt?" [ich täglich 8mal im Geschwindschritt]

12/2 21 [Wenig ausgerichtet habend Ab. vor 10 von der Claße kommendem:] "Du bist ein vergeblicher Regen – Du bist zu sehr Platzregen und die Buben sind zu sehr Stein. Wärst Du sinniger und sie erdiger!"

25/3 21 "Manchmal siehst Du aus wie Dein Sohn, Dein jüngster, und manchmal wie Dein Großvater. Du bist eins von Deinen Büchern, die noch zugeklebt sind an manchen Stellen – wo noch der Nagel muß ..."

|4 Guten Hieronymustag 30/9 22

meinem 21jährigen "GutenMorgen"-geber !

Am Abend Deines 1ten März 1823

Diese Erstlingssonne (sie schien auch auf Uns heute hier durch heitere Luft) habe Dich und die Deinen alle gesund gesehen in Baireuth!

Benedictus 21ter März 1823

Emanuel 26ter

"Die Flora beblümt ihren Gatten"

Dies schon bejahrte Wort meiner Eva trag ich seit Jahren im Gedächtniß herum. Wie viele Blumen, u. welche, habt Ihr denn nun um euch gezogen?

Mir ist in diesen Tagen großes (inneres) Heil widerfahren. Seit vorletztem Sommer drükte, schwächte endlich ein Leid (ähnlich – aber hoffentlich schärfer – dem, das Ihr um den verstummten Freund tragt) den, der nun mit Gott noch volle Genesung hofft. – Daß noch vor Ostern 1821 ich ein paar Tag' u Nächte bei Wangenh. in Frkf. gewohnt, daß im Herbst 1821 deßen Frau und Töchter uns besuchten, diese am Klavier meiner Frau sangen, daß diese weinte vor Freud en ' an den deutschen Stimmen: will noch her, u. daß Du noch verdienst mehr von u. an Deinem

Thieriot

Unserm alten Uhlfelder, deßen Brief an meinem 25ten Geburtstage 1805 ich eben wieder gelesen; auch an Israel u. die Seinen gieb meinen Gruß.

Zitierhinweis

Von Paul Emile Thieriot an Emanuel Osmund. Wiesbaden, vor dem 1. März 1822 bis 26. März 1823. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1706


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Textgrundlage

H: ehemals Slg. Apelt,
1 Dbl. 8°, 4 S.


Korrespondenz

A: Von Emanuel Osmund an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 19. und 20. Mai 1823

Präsentat: Am 9 Mai 1823 erhalten | — 20 — — beantw.