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Nachschrift.

Ostfriesland hat gar keinen eigentlichen Buchhandel. Will man also etwas drucken laßen, so muß man selbst verlegen und Buchhändler seyn – und sich durch Subscription decken.

Nach den bisherigen Nachrichten verliere ich vielleicht 400 Subscribenten, vielleicht mehrere, vielleicht wenigere, (denn es ist vielen meiner Freunde zu beschwerlich die Exempl. zu vertheilen, die Gelder einzukaßieren p.) dagegen sind noch unzähliche Städte und Oerter, wohin kein einziges Exempl. gekommen ist, und auch nie kommen wird, – weil die Schrift nicht durch den Weg des Buchhandels verbreitet wird.

Um nun des lästigen Selbstverlags überhoben zu werden – und zugleich – um die meine Rhapsodien so weit als möglich auszubreiten , – wünsche ich einen Verleger zu finden, der das Werk übernähme und mir für die noch folgenden 4 oder 5 Theile ein angemeßenes Honorarium bezahlete, denn ich habe 7 Kinder – denen ich keinen Stein geben kann, wenn sie Brod verlangen.

Wollten Sie nicht meine Rhapsodien den Joh. Andreas Lübeks Erbe in Bayreuth zur Einsicht mittheilen, und sie befragen: "ob Sie den Verlag der Schrift übernehmen wollen?"

Wenn diese – oder eine andere Buchhandlung, meine Rhapsodien öffentlich (denn dies ist noch nie geschehen) ankündigte, zugleich erwähnte, daß der Heraus |2 geber derjenige Prediger ist, der sich durch eine zweyjährige Kollektenreise für die Gemeine Neuwied am Rhein in Deutschland, Holland und der Schweitz hinlänglich bekannt gemacht hat; (denn fast jede Stadt habe ich in Röntgianer und Anti-Röntgianer getheilt verlaßen) wenn diese Buchhandlung dabey alle Verehrer Jean Pauls zur Verbreitung dieser Schrift aufforderte: so zweifle ich nicht an einem so starken Absatz derselben, daß eine angesehene Buchhandlung die zwey ersten Hefte neu auflegen (wofür ich mir billig nichts verlange) und die noch folgenden 4 oder 5 Hefte mit großem Vortheil verlegen und debitiren könnte.

Es versteht sich von selbst, daß ich dieser Buchhandlung meine 3, 4 bis 500 Subscribenten anwiese und übergäbe. Auch will ich hier zu Land und in Lübeck und an einigen andern Orten, gern die Subscriptions-Gelder ferner einsammeln und dieselben nach Abzug meines festgesetzten Honorarii dieser Buchhandlung einschicken.

Wollten Sie nicht dieses – der schon erwähnten oder irgend einen andern soliden Buchhandlung, selbst oder durch einen Freund mittheilen, und mir nächstens Nachricht darüber geben? —

Esens in Ostfriesland den 16 Dec. 1801

L. Roentgen.

Zitierhinweis

Von Ludwig Roentgen an Emanuel. Esens, 16. Dezember 1801, Mittwoch. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1978


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Textgrundlage

H: Privatbesitz Gerd Rokahr, Esens,
1 Bl. 4°, 2 S. (unvollständig).


Korrespondenz

Der offenbar zur Nachschrift zugehörige Brief ist nicht überliefert. – Der Brief ist offenbar die Antwort auf einen nicht überlieferten Brief Emanuels vom 29. November 1801, den er in seinem Brief vom 13. August 1803 erwähnt.