Von Emanuel Osmund an Kaspar Oesterreicher. Bayreuth, 2. Januar 1816, Dienstag

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Hochehrwürdiger Herr Pfarrer!

Beiliegend übersend' ich Ihnen den verlangten Sternbald [...] II. und, mit Ihrer gütigen Erlaubniß, einen kleinen Beitrag (2 Krthlr.) für den "Bruderbund" , ohne jedoch etwas anderes, als ein blos gebendes Ehrenmitglied dessen zu seyn oder zu werden, wie ich Ihnen das gestern mündlich gesagt habe.

Nach Artikel 14 dieses Plans wag' ich es, Ihnen, als einem wahrscheinlichen Mitdirector dieses Bundes , einige Anmerkungen über dessen Titel und Einrichtungen, vielleicht zu weiterer Mittheilung an die General-Direction, vorzulegen.

Es muß einem Christen sehr auffallen, wenn er jetzt "Plan eines christlichen Bruderbundes" vorgelegt bekommt; denn meines Wissens wurde dieser Bund jetzt gerade vor 1815 Jahren geschlossen und wir haben uns gestern zu dem ersten Tag im neuen Glück gewünscht.

Zu diesem christlichen Bunde kann man nicht auf trockenem Wege mit jährlichen 108 X.ern sondern auf nassem, durch die Taufe, gelangen.

Wollte man einen neuen christlichen Bruderbunde schließen: so wäre ja ein neuestes Testament und vorher ein neuester Testator zu demselben nöthig, was ich jedoch bezweifle, da das [...] lezte heilige Testament – entgegengesezt den bürgerlichen – nicht |2 die alten und ersten aufhebet, oder, was noch schädlicher immer war, man errichtete eine Bund im Bunde, einen Staat im Staate.

Dann – ich weiß es wohl, daß Prediger, d. h. Tag- und Nachtwächter, unter ihren Herren und Brüdern auch Frauen und Schwestern verstehen – schließet dieser Bruderbund die Schwestern aus, was, da es unter diesen so viele fromme gibt, die in unsren Tagen besonders so viel für ihre leidende Brüder gethan haben, nicht seyn sollte, also auch diesen und nicht weniger den Juden muß um so stärker dieser Titel auffallen, als er blos allein sie von dem Bunde ausschließet und dadurch sie selber vom Lesen des "Plans" und natürlich ihn sie von der für sie ehrbaren Theilnahme abhält.

Was die Einrichtung selber betrifft, wäre zu wünschen, daß Judenmitglieder auch über neue Testamente, so wie christliche über alte zur Vertheilung, unter welche Brüder sie wollten, verfügen könnten .

Daß in unserm Lande eine ähnliche Anstalt wirklich seit vielen Jahren IN NUCE existirt, davon geb' Ihnen beiligende jüngste Quittung, die ich mir wieder zurück erbitte, einen kleinen Beweis.

Möchte ich Ihnen auch ähnliche Beweise ablegen können von meiner reinen Hochachtung und Verehrung!

E. O.

2, I, 16.

Zitierhinweis

Von Emanuel Osmund an Kaspar Oesterreicher. Bayreuth, 2. Januar 1816, Dienstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB2099


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Textgrundlage

Hk: SBa, OFS.Autogr. R 1(1816.01.02
1 Bl. 4°, 2 S. Auf S. 1 am oberen lingen Rand von Emanuels Hand: Abschrift; ebd. angeklebt: Billett von Jean Paul an Emanuel Osmund vom 2. Januar 1816.