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Leipzig d. 25ten Jan. 1806.

Mein liebster Freund

Die Beurtheilungen der Briefe über Schlesien ist nicht von Herrn v. Held und überhaupt von keinem Berliner. Sie rührt von einem Manne her, dem ich völlige Competenz zutraue, der mir sogleich bey der Einsendung voraus sagte, die Rezension würde Sensation machen, er wäre aber auf alle Beweiße, die man fordern könnte, im Voraus gefaßt. Ueberdieß bin ich fast überzeugt, daß er den oder die Herausgeber nicht kennt. Auch verweißt er ja auf eine ausführlichere Rezension in andern Blättern, wogegen sich die Verfaßer erklären können. In der Zeitung selbst ist eine Berichtigung oder Antikritik nicht möglich, will der Herausgeber sich des Intelligenzblatts bedienen, so bitten Sie ihn, sich an die Voßische Handlung zu wenden. Sie sehen eine mein liebster Müchler, daß sich in allen solchen Fällen nur den geraden Weg gehen kann und meine Correspondenten, die wahrlich jetzt aus einer ehrenwerthe Gesellschaft bilden, so lange vertreten muß, als ich von |2 ihrer Rechtlichkeit überzeugt bin, oder mir das Gegentheil bewießen wird. Spazier handelte in Collisionsfällen weniger streng und machte sich dadurch gewöhnlich zwey Feinde statt Einen, und verlohr die Achtung beym Publikum. Ich bin schon alle die nichtswürdigen Schreier los, die ehemals die Zeitung zu ihrem Rummelplatz machten, und die Spazier fürchtete, weil er glaubte sie würden ihn verfolgen wenn er sie zurückweist. Ich habe sie zurückgewießen und manchen Unverschämten mit Härte, ohne von I i hrer Feindschaft einige Notiz zu nehmen, und Sie glauben nicht, welche belohnende und ehrenvolle Beweiße von Achtung und Zutrauen ich seitdem erhalten habe. Alles Wiederstreben gegen Kritiker und Kritiken halte ich für unter der Würde eines Mannes, besonders eines Künstlers. – Was Gutes u Vortrefliches machen produziren , an dem eigenen Beyfall sich begnügen und sich den Teufel daraus machen, was die aufgeblasnen u neidischen Professionisten davon und darüber sagen, das ist der einzige Weg zur |3 literarischen und Künstler-Größe. Und will man streiten so gehe man immer offensiv.

Was Sie mir über Held schreiben freut mich, in so fern ich sehe, daß ich ihn nicht falsch taxirt habe. Soviel Kopf als Sie ihm zugestehen, kann ich nicht einräumen. Die Desparations Männer sind wie alle determinirte Egoisten, oberflächlich.

Herzlichsten Dank für Ihre Notizen . Haben Sie das Kabinetsschreiben des Königs gelesen, worin er die Zeitung namentlich anführt ? – Ich werde nun viele Schleichwege, wodurch man etwas in diese Blätter wird zu bringen suchen, weil man weiß, daß sie der König liest, zu bewachen haben.

Ich freue mich auf Ihren Liskow . Suchen Sie mir Etwas Piquantes das nicht allzu lang ist für die Zeitung aus. – Dieselben Wortspiele sind auch hier gemacht worden. Napoleons Antwort an Ihren König zeugt ganz von der fürchterlich großen Herzlosigkeit die ihm eigen ist, und wodurch er das politische Uebergewicht in eben dem Grade erhält, als er das moralische verliert.

Ich umarme Sie und bin herzlich

IhrMahlmann

Zitierhinweis

Von Siegfried August Mahlmann an Karl Müchler. Leipzig, 26. Januar 1806, Sonntag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB4616


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Textgrundlage

H: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, A/901/2008
1 Dbl. 4°, 3 S. Auf S. 4 Adr.: Sr. Wohlgeboren | Herrn Kriegs und Domänen Rath | Müchler | in | Berlin | fr. Siegelausriss. Auf S. 4 vfrH: Siegfr. Aug. Mahlmann. 1771–1826. | Lyr. Dichter.