Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Siegfried Wilhelm und Henriette Mayer an Caroline Richter. Berlin, 21. Februar 1816, Mittwoch

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Berlin d. 21 ten Febr. 16.

Meine liebe Caroline!

Indem ich nach den Gründen frage, die Dich abgehalten haben können, den Werth der mir vom Könige ertheilten Auszeichnung (des rothen Adler Ordens dritter Classe) durch Deine Theilnahme zu erhöhen, finde ich keine andere mich beruhigende, als daß Du die Berliner Zeitungen u die Hamburger dort nicht liesest. Denn freylich bin ich Dir noch die Antwort auf Deinen letzten Brief vom 12. Jan. , also seit 4. Wochen von Zeit des Empfanges schuldig; aber so genau wirst Du ja nicht Buch u Rechnung mit mir halten; u wäre diß auch möglich, so will ich mich doch lieber darinn finden, als Kälte unter uns eintreten laßen.

Nun zu Deinem Briefe , den ich bey einer Menge von Zerstreuungen, als der Feyer des Jubilaeums unsers Praesidenten am 29. Xber 15., des Taumels des Neu Jahrs Festes, der Störungen des Ordens Festes , u des Andrangs von Geschäften, die sich unmittelst gehäuft hatten, wohl habe unbeantwortet liegen laßen müßen.

|2 Zuförderst habe ich nun, was mir allenfalst zum besondern Vorwurf gemacht seyn möchte, freylich auf den wichtigsten Punkt des Deinem Mann fehl geschlagenen Versuchs, die ihm hier früherhin verheißene Praebende zu erhalten , nicht geantwortet. Aber ich bin deßhalb doch dabey nicht listig gewesen, u bedaure nur, daß Dein Mann mich nicht durch Dich von diesem Versuch vorher benachrichtigt hat. Früherhin hatte ich schon mit H. von Staegemann (der rechten Hand es Herrn Staats Cantzlers) davon gesprochen, aber weil sich die Laage der Dinge damals noch nicht durch die jetzt gesicherte Pension des ehemaligen Großhertzogs von Frankfurth nicht geändert, und die Regheit für die Praebende nicht etwas gelähmt hatte. Allein ich hätte auch dieserhalb meinen Freund Herrn Geheimen Cab. Rath Albrecht praeveniren können, der den Vortrag beym Könige in solchen Sachen in Gegenwart des Herrn Staats Cantzlers hat, wenn ich selbst praevenirt gewesen wäre. Inzwischen habe ich mich noch vor 14. Tagen, also nach Eingang Deines letzten Briefes , mit Herrn v. Schukmann über die Praebende und die Fehlschlagung des deßhalb gemachten Versuchs gesprochen, u er hat mir gesagt, daß er bey einem nächstens dem Könige von ihm selbst über die Zahl der noch bestehenden Praebenden der gantzen Monarchie, den König an sein Deinen Mann gethanes Versprechen selbst erinnern werde. Ich bitte mir also keinen Vorwurf zu machen. Auch nimt H. v. Bülow an dieser Sache keinen Theil, u |3 nur H. v. Staegemann der so viel für die Frfurther Sache gethan hat, hat hat vielleicht eine Addresse an ihn vermißt.

Eher könnten Deine Kinder sich gekränkt fühlen, daß ich auf ihr niedliches Geschenk nichts geantwortet habe. Beruhige sie aber hierüber. Denn diß Geschenk hat mir würklich viel Freude gemacht, so wie Deine eigne Arbeit. Auch wird Dir meine Frau, die übrigens seit einigen Monathen an der jedes Weib in einem gewißen Alter eintretenden Crisis ihrer Gesundheit sehr gelitten hat, für Dein Geschenk an sie, selbst antworten.

Auf alle Fälle beruhige mich über Dein bisheriges Stillschweigen, und liebe noch ferner

Deinen
treuen Vater
Mayer


Empfiehl mich Deinem Mann, u küße Deine Kinder.

Liebste Caroline es wäre unverzeihlich von mir Ihren lieben Brief und Geschenk nicht eher beantwortet zu haben, wäre ich wohl gewesen, aber ich habe neuerlich wieder an eine Zahnrose und allen begleitenden Dornen gelitten so daß ich mehrmahls bettlägerich war. seit 8 Tagen geth es wieder besser.

|4 Tausend Dank Sie Gute Gute Caroline für Ihre mühsame und hübsche Arbeit. seit vielen Jahren bin ich immer durch Ihre Güte geschmückt. meine Augen nehmen so ab, daß ich wenig andres arbeiten als Stricken kann. und mir das Lesen und Schreiben bei Lichte versagen muß.

Die Geheimräthin Hainchlin trägt mir oft viel herzliche Grüße an Sie auf; die Genz ihre Kinder werden sehr groß und gut glaube ich. Daß die Klaatsch vorigen Herbst gestorben ist werden Sie wißen. Die gute Sommer ist noch imer ohne Nachrichten von ihren Sohn; und man muß vermuthen daß er nicht mehr lebt.

Leben Sie wohl, geliebte Tochter, der Himmel erhalte Sie und die Ihrigen im besten Wohlsein, ich bin mit unveränderter Liebe

Ihre treue Freundin
H. Mayer
Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm und Henriette Mayer an Caroline Richter. Berlin, 21. Februar 1816, Mittwoch In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0082


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 2 ⅔ S. von Johann Siegfried Wilhelm Mayer, 1 ⅓ S. von Henriette Mayer .