Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Caroline von Ehrenberg an Caroline Richter. Altenburg, nach dem 11. März 1811

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Theure traute Caroline

Schon jeden Mittwoch und Sonnabend wollte ich Dir schreiben – doch da alle diese Briefe die ich nicht schrieb doch einen kleinen Vorwurf enthalten hätten, wegen Deines Schweigens so hast Du gar nichts verloren daß sie ungeschrieben blieben. – Ueberdem, (o laß mich vertrauensvoll mich an deinen liebenden Schwesterbusen werfen) – fühlte ich schon bei meinem ersten Brief an Dich eine gewisse Zurückhaltung die den Brief kürzer werden ließ, als es meine innige Liebe zu Dir wollte. Diese kömt gewiß daher weil ich voraussetze, Du erwartetest, daß ich von L |2 etwas schrieb – ich that es nicht – und bin durch ein widriges Gefühl darüber, bestraft. – O meine gute geliebte Caroline – ich konnte Dir auch nichts neues darüber schreiben – ich sehe die Ludwig öfters – sie hat sehr viel Freundschaft für mich – ach und ich bin ihr innig innig gut – sie ist ja so sehr liebenswürdig – wie könnte ich sie wohl kränken – ihn bin ich auch sehr gut, und jede Gesellschaft ist mir lieber wenn er dabey ist – allein Deine Fallsetzungen werden nie erfüllt werden! – – Doch itzt muß Dir vor allen Dingen einen Irrthum benehmen – Das Gerede daß ich nach B komme |3 verhält sich folgendermaßen. Hr v Hardenberg welcher etwas an den Dr Pirer durch mich überschickte schrieb mir zugleich ob ich nicht einmahl wieder nach B kommen wollte – Ludwigs sprachen einst von einer solchen Reise – und frugen mich, ob ich mit reisen würde – ich schrieb also kurz darauf an Auguste Hardenberg, es könnte leicht möglich werden, daß ich käm weil Deine Freunde Dich besuchen und mich mitnehmen wollten. – Sie haben a Alle das für Gewißheit genommen, denn heute frägt mich Frau v Gt. wenn eher ich denn bestimmt käm, damit Sie meine Stube einrichtete. – Du sagst mir, ich soll |4 ihr nicht mehr so liebend schreiben sie verdiente es nicht – dies Räthsel hat mich unruhig gemacht, erkläre es mir – ich bitte Dich – sie selbst schreibt mir Dich so herzlich, – und falsch ist sie nicht – o gewiß nicht. – Brockhausen hat Dir also unsre querelles geschrieben, es war wegen der affaire de coeur – nach allem halte ich ihn für einen grundguten Mann, mit den vortrefflichsten Herzen, der jedoch von seinen Leichtsin, maitrisirt wird. Wir sind als sehr gute Freunde geschieden, und herzlich wünsche ich ihn alles Gute. Ludwigs haben gestern Nachrichten von ihn aus Amsterdam erhalten, und werden sie Dir ohne Zweifel mittheilen. – – Wie lebst Du [...]

Zitierhinweis

Von Caroline von Ehrenberg an Caroline Richter. Altenburg, nach dem 11. März 1811 In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0109


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 4°, 4 S. (Schluß fehlt). Auf S. 1 vfrH: 1811 März


Korrespondenz

B: Von Caroline Richter an Caroline von Ehrenberg. Bayreuth, März 1811

Zur Datierung: Brockhaus hielt sich in geschäftlichen Dingen zwischen dem 11. März und dem 1. April 1811 in Amsterdam auf.