Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Emma Richter an Anna Margaretha Fanny von Reitzenstein. Bayreuth, nach dem 21. Januar 1826

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Ich schicke Ihnen hier meine Antwort auf das Gedicht, zu dessen Mittheilung es mir hier an Raum gebricht ., dessen letzte Zeilen heißen:

„Du Thräne der Wonne, Du Schmerzensthrän‘,
Hab‘ immer den Himmel nur in Dir gesehen!“

Unter dieser Thräne meint er die Perle, da wie in dieser das Sonnenlicht sich glänzend in allen Farben bricht. Ich bin begierig, ob er mir wieder schreibt; es sollte mich freuen, einmal meine Idee sich verwirklichen und zwischen Mann und Mädchen ein Verhältniß entstehen zu sehen wie zwischen Zwei einerlei Geschlechts. Einen andern Gedanken habe ich nicht, und es wäre mir leid, hätten Sie einen. Seit acht Tagen hatte meine Phantasie wieder Springfedern. Wenn meine Seele frei genug ist, sich zu äußern, so bin ich glückselig; ich wünsche dann nichts Höheres, und in solcher Stimmung verlieren alle Weltverhältnisse ihren Werth für mich.

Ganz leise ins Ohr sage ich Ihnen, daß ich mir eine Schilderung des Vaters ausgedacht ; ein Paar Worte von Förster über ihn gaben den ersten Anstoß dazu .. Otto verlangt sowohl der Mutter als auch meine Hilfe bei der Biographie. Vielleicht ist ihm mein Einfall nützlich, führe ich ihn aus.

Bisher lebte ich in einer wahren geistigen Erstarrung, die mir Alles gleichgültig machte, nun lebe ich wieder. Mit alter großer Liebe

Ihre Emma.

Zitierhinweis

Von Emma Richter an Anna Margaretha Fanny von Reitzenstein. Bayreuth, nach dem 21. Januar 1826 In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0152


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

D: Förster, Jugendzeit, S. 348.


Korrespondenz

Zur Datierung: Der Brief wurde nach Försters erstem Brief an Emma Richter vom 21. Januar 1826 verfasst, wahrscheinlich acht Tage nach Erhalt des Briefes, also um den 30. Januar.