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Korrespondenz

Von Emanuel an Caroline Goldschmidt. Bayreuth, 5. Dezember 1802, Sonntag

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B. 5. Dec. 2

Car.! Vergangnen Mittw. hab' ich das große u das kleine Paq. u den Brf. dazu u vergangnen Freitag auch den 2t Brief u Alles voll Freude u voll Vergnügen empfangen.

Nichts ist beschädigt angekommen, nicht einmal das Messerlein, das b. der prächtigen Mädchenpackerei in Incognito sich mit nach Bayr. fahren lies, u das auch nur allein es wieder verlaßen soll, versteht sich, wenn es verlangt wird.

Meinem Uhfelder hab' ich seine prächtige Börse, mit einem Auszug aus meinem Brf. was ihm dazu gehörte, geschickt u darauf hab' ich beiliegendes Billet erhalten.

Ich dachte, daß der Gute nun ruhig seine Freude genießen würde u dachte nicht, daß ich noch ein Postillion der gesiegelten Dankbarkeit werden mußte.

Hätt' er wenigstens sein SU weggelaßen, dam. ich mein u Ihr Lob lesen könnte!

Recht gerne hab' ich s, wenn mann mich ins Gesicht tadelt, so, daß mir das Blut zu den Backen heraus guckt; aber ich kann es auch vertragen, wenn die Meinigen mich im Rücken b. den Meinigen mäsig loben.

|2 Die, die es verkehrt machen, sind weder die Meinigen, noch die Ihrigen, Car.!

Ihre goldene Silberstiftzeichnung ist an ihrem gehörigen Orte; Niobes Tochter aber liegt nur erst auf, anstatt auf rothem Papier, auf blauem Atlas u wartet auf die blos neuen goldenen Leisten ihrer alten Wohnung, v. der ich mich, wider Ihre Ordnung, nicht trennen mag, wenn ich – wie es der Fall nicht ist, auch konnte. Diese Letzte durfte noch Niemand sehen; aber die Erste hab' ich aus der Tasche präsentirt, wem sie zu Präsentiren nöthig u daran gelegen war. Ob S. diese Erste getroffen haben? Mein Bruder, der Jüngere, der S. wie mein jüngrer Bruder grüßt, kam Abends v. einer kleinen Reise nach Hause "was ist das?" fragte ich, indem ich ihm die Zeichnung vor das Gesicht rückte. "Die Goldschm." antwortete er freundbrüderlich lächelnd.

Geben – Freude – ist seliger als alles Nehmen. S. haben mir u uns viel Freude gegeben u hätten sich schon herzlich bedanken dürfen, f. die große Freude, die wir Ihnen dadurch machen, wenn S. nicht so bescheiden wären. Ich will Ihnen zuvor kommen u vor: Nehmen S. meinen innigsten Dank f. Ihr Andenken u die Beweise desselben u die heiligste Versicherung, daß ich Alles zu würdigen weiß u daß ich Alles eben durch dies mein Bewußtseyn – ohngeachtt ich weit weniger gut bin, als ich seyen möchte u als Sies glauben, doch größten theils verdiene.

Alles was S. mir v. Weim. sagen erquikt mich. Die Tifurther HofDame soll nur in Gottes Namen b. Ihnen gut machen, daß sie mir einen Gruß v. Richter wochen lange vorenthielt. Wenn sie recht artig gegen S. ist, dann, nur dann will ich s. durch Sie wieder grüßen. Die Knebel, zu der ich nicht nur f mich, sondern mit der Liebe ihres Bruders – v. dem ich gerade aus Ilmenau kam – kommen wollte, lies mich durch ihre Jungfer fragen, was ich v. ihr wollte; sie darf Ihnen (daß ich ihr damals keine befriedigende Antw. schickte, glaub' ich) also auch recht, recht schön thun. Mündlich kann u werd' ich Ihnen einst v. meinem Aufenthalt in Weim. u den wichtigen Folgen desselben Manches erzählen. Sticken S. die Bestellung des Herzogs noch in W.?

Recht sehr freu' ich mich, daß S. mir Ihre Arbeiten schicken wollen.

Die Aussöhnung Ihres lieben Bruders, sehnt mich mit seinem Mädchen aus; aber ich sehne mich nicht nach einer Ursache zur Aussehnung zwischen Liebenden.

Der Himmel geb' ihnen Glück u Segen! Bauen S. immer Luftschlößer, ich baue sie auch u sie sind meine einzigen Lustschlößer. Wie alt ist denn Ihre fürstliche Schülerin?

Ich liebe das briefliche – als Vorausgangs eines persoenlichen Überraschens; also das Erste wird auf jeden Fall zu erst angewendet. Kein Wunsch kann herzlicher u reiner seyn, als der meinige, daß S. schon wieder ganz gesund u ganz wohl seyn mögen!

E.

Zitierhinweis

Von Emanuel an Caroline Goldschmidt. Bayreuth, 5. Dezember 1802, Sonntag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0167


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Textgrundlage

Hk: Slg. Apelt
1 Bl., 1½ S. Auf der ersten Hälfte von S. 1 Briefschluss eines Briefes von Caroline Goldschmidts Hand.


Korrespondenz

B: Von Caroline Goldschmidt an Emanuel. Weimar (?), nach dem 23. Oktober 1802

Auf S. 1 Briefschluß des vorangegangenen Briefes von Caroline Goldschmidt.