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B. 14 Jan. 9.

An Amanda

Warum wollen Sie mir danken, warum danken Sie mir, meine jüngste Freundin, für so viel Wonne, die mir die Tage gegeben haben, die ich in Ihrer und der lieben Ihrigen Nähe verleben konnte ?

Lassen Sie mich Ihnen heute für diese Festtage danken und besonders für Einen darunter, den Sie mir zu sehr verherrlichen und verewigen halfen .

Wollen wir gemeinschaftlich – Sie sehen, daß meine Eigenliebe auf den besten Vergleich verfällt – den lieben Gott für diese Tage, die mir in häuslicher und ländlicher Einfachheit zusammen verlebten, recht inbrünstig danken.

Mochten Sie sich einst in meinen Jahren, wenn Sie rechte frohe Tage leben, dieser Bayreuther und der Bayreuther erinnern!

Unterdessen könnten Sie sich diese Erinnerung noch mehr erleichtern, wenn Sie der Himmel bisweilen – was wir alle, die wir zusammen hier lebten, herzlich wünschen – wieder unter unsern Hiesigen führen möchte.Wie viele schöne Gegenden haben wir – von unseren etwas entfernten Ohne Gleichen will ich gar nicht reden – die wir nicht gesehen haben.

Im Fall Sie aber einen andern Landschafts Zizerone als mich haben wollten – das mich freilich nicht sehr erbauen würde so würde ich Ihnen unsern würdigen Dobenek vorschlagen.

|2 Kommen Sie nur.

Unser Himmel trübte sich nur zu geschwind wieder; wir haben lange schon Einquartirung wieder – und keine Aussicht auf einen hellen.

Ella hat sich recht mit Ihrem Andenken gefreut; sie versichert Ihnen mit herzlichem Dank des ihrigen durch mich.Ihre Schwester ist wirklich ein recht braves, gutes Wesen und war bis Sie kamen meine jüngste Freundin.

Dieses Mädchen, Silli heißt es, dient mir zum stärksten Beweis, daß ein Knabe wohl ohne Erziehung viel leichter zum gebildeten Manne sich selbst bilden kann, als ein Mädchen ohne Erziehung sich zu einem gebildeten Weibe.

Silli war immer ein sanftes, weiches, gutartiges Kind; sie wurde aber seit ohngefehr 5 Jahren, an der Seite einer edlen Pflegemutter , viel mehr, und ich bin es gewiß, daß das Glück, das sie ihrem Gatten schaffen wird, sie größten Theils ihrer Pflegemutter schuldet.

Ich werde es ihr schreiben, daß sie nun meine aeltere Freundin wäre und daß Sie sich mit so vieler Theilnahme für sie an ihre Stelle placirt hätten.

Werden Sie diese immer behalten und mich immer froh wissen wollen?

E.

Zitierhinweis

Von Emanuel an Amanda Schlabrendorff. Bayreuth, 14. Januar 1809, Sonnabend In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0253


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

K: Slg. Apelt
1 Dbl. (?), 2 S. Briefnummerierung vfrH.


Korrespondenz

B: Von Amanda Schlabrendorff an Emanuel. Meiningen, 17. Oktober 1808

Wohl zusammen mit Emanuels Briefen an Henriette Schwendler vom 12. und 13. Januar und an Antonie von Mützschefahl vom 14. Januar 1809 verschickt.