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B. 22. Dec. 2.

Wie ungöttl. od müßte nicht das erste Geschenk, od. das erste Kind Gottes, die Liebe, seyn, wenn sich nur die sich (Körper) nahen ihrer erfreuen könnten?

Wir lieben nicht die fremde Liebe des Besitzers – sondern diesen jener wegen.Die vor uns waren, werden sogar v. uns gar geliebt, wenn wir wissen, daß s. liebenswürdig waren u liebten.

Ein Freund der uns untreu wird, der also aufhört, uns zu lieben, indem er noch Mensch, das ist Körper, ist, den hören wir oft unwillkührlich auf, zu lieben.Ein Freund, der als Freund uns verläßt u den Körper d. i. die Erde, den wir lieben wir gerade so rein fort u fort, als wir ihn in dem Punct unsr. Trennung liebten: wir lieben u leben f. ihn u er lebt u liebt f. uns.

Die Menschen sind mitunter teuflische Götter u mitunter göttliche Teufel; sie sind meistens in der Mitte dieser beiden, denn sie sind – Seel u Körper.Es ist ein Glück, wenn Menschen, die sich recht lange innigst nach einer körperlichen Annäherung sehnten u endl. dahin gelangten, nicht auch zugl. das Ziel ihrer Wünsche erreicht haben.

Wollen wir den größten Menschen am reinsten genießen d. h. am meisten verehren u lieben: so müssen wir nur seiner Seele folgen u gehorchen.

Der Körper ist auflösend u löst auf.

Nennen Sie's, Wachende, keinen Traum, sondern Wirklichkeit, deßen Seelen als diese, keines Körpers zur Annäherung bedürfen.

Aber man bedient sich ihrer freiwillig u die Menschen bestehen dabei.Auch mir – ich hätte über mein Schreiben bald das Antw. vergessen – auch mir thut es – S. mögen den Inhalt meines Briefs bis hierher als Widerspruch gegen mich anwenden, auch mir thut es noch leid, daß ich S. nicht v. Angesicht zu Angesicht in M. sehen sollte u konnte.Viell. sollte mein glückliches Leben daselbst, durch diese Entbehrung eingeschränkt u meiner Seele noch ein Wunsch aufbewahrt werden.

Da wir nun einen sehr schönen Vergl. machen u unsr. Richters in die Mitte zwischen M. u hier nehmen : so – es ist so etwas menschliches im Widersprechen – so kann ich ja hoffen, S. im nächsten Sommer in Cob. zu sehen? Was S. zu mir sagen würden, wenn ich Ihnen ein freundliches Zimmer anböte, das |2 ich auch sogleich thun will , das will ich Ihnen sagen: sollt' ich wieder nach M. kommen: so will ich es – unter einer einzigen Ausnahme – beziehen u darinn froh seyn u – dankbar.

Wie viel Klagestädte muß es noch geben, wenn die, die uns. R. alle noch verlassen wird, klagen wollten?

In einigen Jahren, denk' ich, gehts den Coburgern nicht besser, als im nächsten Frühjahr den M....ern.

Glauben S. nicht, daß ich b. Ihrem schadenfroh seyn kann, aber ich freue mich doch, daß er mir näher kommt u sie u dasihr Kind.

Recht gerne will ich mir Ihren Schmuck schicken lassen u Ihnen den wahren Werth, der jetzt ein Unwerth ist, angeben.

Ich habe diesen Handel ganz aufgegeben u nicht nur meinen kleinen Vorrath, sondern meinen eigenen Gebrauch Ring, weil die Juwelen immer mehr fallen – mit beträchtlichem Schaden verkauft.War. haben S. denn Ihren Schmuck nicht b. Gelgenheit der Meininger Auction , wo so viele Leute da gewesen seyn werden, verkauft?Es thut mir recht wohl daß Ihr lieb. Mann sich meiner so liebevoll erinnert.

Ich grüss' ihn u küss' ihn u das durch S.

Lassen S. sich v. den Meinigen u in Meiningen nicht irre machen u denken S. nicht zu gut v. mir, wie sie [...] denken S. meiner u leben S. glücklich!

E.

f. Henriette Schwendler
Zitierhinweis

Von Emanuel an Henriette Schwendler. Bayreuth, 22. Dezember 1802, Mittwoch. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0441


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Textgrundlage

H: Slg. Apelt
1 Bl. (?), 2 S.


Korrespondenz

B: Von Henriette Schwendler an Emanuel. Meiningen, 4. Dezember 1802