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Korrespondenz

Von Emanuel an Henriette Schwendler. Bayreuth, 17. Juli 1808, Sonntag

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B. 17 Jul. 1808.

Verehrungswerthe, gute Henriette!

Heute vor 8 Tagen bin ich Ihnen bis nach Schwarzach wirklich nachgereiset; heute will ich Ihnen blos mit Geist u Schrift bis Meiningen nachlaufen.Wäre mirs möglich gewesen, Sie hätten wenigstens mit der ersten Post, die auf Ihre Abreise folgte, einen Brief v. mir bekommen, denn meine Sehnsucht nach Nehmen steht der nach Geben in Nichts nach. Caroline R. – ein hohes, reines, kräftiges, geistiges, kindliches Weib – konnte nicht kommen u bat die Tante V. u den alten Freund beider , sie in Grthl. zu sehen.Wir kamen, sie kam dahin und 2 Tage des heiligsten Andenkens würdig, wurde ein vollkommenes Wiederfinden u Wiedersehen v. einer ewigen DreiEinigkeit gefeyert.

Vorgestern kam ich glücklich nach Hause, wo Ihre zweite Hand mich erwartete , die ich mit Freude ergrif.

Wohl mir, wenn ich und daß ich im Stande war, Euch einige angenehme Stunden hier zu schaffen .

|2 Alles was Gott thut u schaffet ist gut; gelingt es uns, Menschen froh zu machen: so haben wir sie auch gut gemachet und sind also Gott nahe gekommen u haben ihm nahe gebracht.

In derselben Woche, in der Sie uns verließen kam noch die Renata [...] aus Hof hier an u ich hatte das Vergnügen, unsre edle Car. eines Bessern über sie überzeugt zu sehen, als sie bis hierhin von der Armen – die in besserer Umgebung viel hätte werden können – dachte.

Sie blieb 8 Tage u trägt mit die Schuld meines Spätschreibens.

Mit meiner kräftigen Voigt hab' ich Vieles üb. Sie u die lieben Ihrigen gesprochen.Caroline hat mir der sehr seltenen Antonie Briefe mitgetheilt, die mir das reine Wesen ganz wie es ist zeigte; aber ich verschwieg aus Liebe für Caroline meinen ersten Brief u theile – das hab' ich gestern erklärt – keinen von Ihnen mit – keinem. |3 Die Voigt hat mir Euer Sehen schon vorher geschildert u schön.

Caroline genießt sehr viel Wonne in Ihrem Brief. Gott wolle ihr viel dergleichen Genuß geben – denn wer verdiente ihn mehr?Mit wahrer Rührung las ich die Freude die Ihre Leute in Ihrem Hause u die zarte Anstalten, die diese zu Ihrem Empfange gemacht hatten.Dieser Empfang macht Ihrem Herzen mehr Ehre, als mancher steife Triumpfbogen dem seines Fürsten.Für die Mittheilung der Blüthe auch meines Lieblings u der aber noch nicht blühet – u diese Nachricht küß' ich Ihnen mit Innigkeit die Hand. Daß Sie nur wieder ganz wohl sind u des Tags in Ihrem Garten u des Abends auf Ihrer Gallerie vergnügt u denkend und schaffend seyn können.

Hab' ich auch in diesem Jahre keine Hofnung, Sie in Ihrem Hause zu sehen: so weiß ich die gute Anstalt zu meinem Empfange dennoch zu schätzen u zu würdigen.

|4 Wir werden uns bei unsrer Zusammenkunft vergleichen müssen, gute Henriette: Sie glauben, ich nehme Sie und ich glaube, Sie nehmen mich zu hoch. Aber ich glaube, daß Sie wenigstens so hoch stehen, wie ich Sie sehe und daß ich eher immer noch zu- als ablegen kann.

Die Heim soll nächstens die Zeilen haben, die Sie ihr versprochen haben.

Erst in der nächsten Woche geh' ich auf das Gut. Unsre Richters sind wohl. Emma ist es nicht ganz, aber auch nicht krank.Es weiß kein Mensch, daß ich heute schreibe; ab. ich sag' es. Für jede angenehme Stunde, die Sie mir, die die lieben Ihrigen mir hier gegeben, besonders für den 24 Juni , den Sie mir alle verherrlichten, sagt Ihnen allen mein Herz den reinsten Dank.

Mein Uhlf. hat mir einen sehr schönen Levkoi in Ihren Scherben gepflanzt.Grüssen Sie mir Ihren Schwendler, Ihre Antonie, Amanda; küssen Sie mir Pauline u wissen Sie doch wie ich Sie hochachte u liebe!

E.

Zitierhinweis

Von Emanuel an Henriette Schwendler. Bayreuth, 17. Juli 1808, Sonntag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0505


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