Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Georg Heine an Caroline Richter. Würzburg, 17. Dezember 1822, Dienstag

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Gnädige Frau LegationsRäthin!

Ihre schmeichelhafte und herzlich verehrte Zuschrift hat mir viel Vergnügen gemacht. – Seit Ihrer Abreise von hier vergeht kein Tag, wo ich mich nicht mehrmal und zwar mit Vergnügen an Ihren uns beglükenden Aufenthalte dahier errinnere. – Für den allseitigen und eifrigen patriotischen Beistand in jenen Geschikvollen Tagen sag' ich Ihnen nochmal meinen herzlichen Dank, und insbesondere aber auch für die gefälligen und herzlichen Gesinnungen Ihres so berühmten Herrn Gemahls, die derselbe für unßere Sache nach Ihrem gütigen Berichte heget. – Ein Wort von einem solchen Manne, der mit Recht eine so grose Celebrität in ganz Deutschland, ja in Europa besizt, kann einer guten Sache nur höchst beförderlich seyn, und zum Glüke Vieler beitragen, auch nur solche Männer wißen patriotische Gedanken und grose Anstrengungen zu erkennen. – Empfehlen Sie mich demselben von Herzen.

Ihre gute Fräulein Ottilia ist jezt wieder recht wohl. – Ich weiß nicht: woher Ihr Backen-Geschwulst und darauf erfolgter Abszeß, welches nun Alles wieder vollkommen geheilt ist, herkam. – Es muß mit den früheren |2 Ohrenschmerzen zusammengehangen haben, und eine reumatische Drüsen Affektion gewesen seyn. – Bei dieser Krankheit hat Sie einige Wochen versäumen müßen, weil die Verhärtungen der Abszeße sich in einer Stelle befanden, nemlich am Ende des hintern Kinnbacken Beins, wo sowohl desr Halskranz, als das sogenannte Sammet-Band sich bei der Applikation der Maschine am meisten anlegen. Die Ottilia wünscht sehr und ich noch mehr: daß Sie jene Versäumniß durch einen nachverlängerten Auffenthalte dahier ersetzen könnte. – In jeder Beziehung hat dieses noch viele Vortheile für sie, und daher ist Ihre gütige Einwilligung sehr wünschenswerth für dieses edle Geschöpf. – Die Entscheidung hierüber wollen wir Ihrer Güte und Weisheit anheimstellen. – Sagen Sie doch der so hochgeschäzten Fräulein Luise von Welden Tausend Schönes von mir, so wie dem ganzen von Weldischen Hause, und ich sey "wo nicht ganz vergnügt" doch, Gott sey es gedankt! recht gesund; recht lästig seyen die gegenwärtigen Verhältniße, nur wünschte ich mir: jene Tage noch zu geniesen, die mir das Hierseyn dieser unvergeßlichen Luise und der meisten damaligen Eleven so reichlich gewährte. Leider! kann ich vernünftiger Maßen zu solchen herzlichen und harmonischen Genüßen mir keine Hofnung mehr machen.

Ich gehe mit der Idee um: auf den 28ten künftigen Monats Jenner als den geheiligten Carolina Tag eine kleine Einweihungs |3 Feierlichkeit zu veranstalten; Es ist noch vertrauliche Idee.

Von der Frau v. Falck seit Ihrer Ankunft bei den Ihrigen die angenehmste Nachricht, Sie schreibt mir: daß die Grosherzogin, die Grosfürstin und der Erbgrosherzog den Edmund in seinen Apparaten besucht hätten, die mir alles Schöne sagen liesen, und der Frau v. Falck den Auftrag gegeben hätten: daß ich bald einmal nach Weimar kommen, und noch beßer wäre es aber, wenn ich da verbleiben wollte. –

Leben Sie wohl, gnädige Frau! ich freue mich des Wiedersehens und verbleibe in aller Hochschätzung

Eurer Hochwohlgeboren

gehorsamst ergebenster Diener
Gr. Heine.

Würzburg
den 17 ten Dezember
1822.
Zitierhinweis

Von Johann Georg Heine an Caroline Richter. Würzburg, 17. Dezember 1822, Dienstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0591


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
2 Bl. 8°, 2½ S., S. 4 Adr.: der Frau Legations | Räthin Hoch- | wohlgeboren | in |