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Heidelberg
Am 4 April
1821.

Geliebte Mutter!

Daß in der Zeit, wo ich nach langem Erwarten endlich einen milden Brief von Dir , beste Mutter enthielt und einen solchen trostreichen, Dir gleich hätte schreiben sollen, kannst Du Dir leicht denken. Dein und der Emma liebes Briefchen machten mich recht froh, aber zerschmettert war ich, wie ich das nicht ausgeschriebene Blatt vom Vater sah sah. So hatte ich mich noch nicht verlassen gesehen, wie in diesen Ferien, wo alles weggeht; keine Briefe, nur Verstoßung und Vorwürfe über mein Leben. Ein Glück ist es, daß ich hier bleibe (nach den Rhein kann ich nicht gehen) Feuerbach und Merk sind fortgereist. Nicht so über mich klage ich, als über jenen herrlichen Menschen, den de ihr alle nicht kennt, der mir einen Freundschaftsdienst that, wie noch keiner, der in Erlangen kein wüstes Leben führte, sondern früher ein frohes, weil er in der Burschenschaft lebte und wirkte; Übrigens ist bin ich mit ihm im Ganzen wenig zusammen; ich wollte, ich wäre es mehr, und wenn mir noch dieses verboten wird, daß ich so, wie ich denke, an Euch schreibe, so bin ich ganz gestürzt, da die ewige Marter mir anhängt, eine m s gleich würdig zu sein und doch nicht zu können. / Doch genug hievon; die fünf Wochen, die ich ganz für mich habe, werden schon ruhig und heiter vergehen; wenn andere Menschen, wie hier, einen bespotten u aushöhnen, andere einen ganz miskennen, dann lebt man ganz für sich und da passen ja die Ferien am meisten dazu. Was ich denke, richtet ein Anderer; sonst kann jeder Richter täuschen.

|2 Daß ihr alle recht selig seid u am 21 es wart, gewesen, ist meine größte Freude. Ich war jenen b Tag Aabends bei Voß. Daß Feuerbach schwärmerisch ist, weiß ich nicht , im Gegentheil, er sucht jetzt öfters Studentengelage auf und hat jetzt eine frohe Reise nach dem Schwarzwald angetreten. Um mich sorgt euch nicht; ich bin zufrieden wenn von Außen ich ruhig bin. Wie der Vater an theologische Melancholie oder dergleichen denken kann , begreife ich nicht.

– Meiner innig geliebten Emma werde ich bald schreiben; Ist d ie a s Stipendium in Dessau schon besorgt ? Den Sommer werde ich ein Quartier in demselben Haus für 24 fl. nehmen müssen, da Merk auszieht, also die große Stube zu groß u zu theuer wäre.

Dieses Blatt schicke ich wirklich nur, um etwas zu schicken; ich habe so mehre Briefe, die ich ungesvollendet lasse. Oft v reuet mich, daß ich dieß u jenes geschrieben. Aber Du, geliebteste Mutter u mein Vater, ihr werdet alles verzeihen.

E. M.

Zitierhinweis

Von Max Richter an Caroline Richter. Heidelberg, 4. April 1821, Mittwoch In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0665


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Bl. 8°, 1 ½ S.


Korrespondenz

B: Von Caroline Richter an Max Richter. Bayreuth, 26. März 1821

Der Brief wurde vielleicht nicht abgeschickt. Dafür spricht, dass er sich mit dem Brief vom 11. April, der ausgesprochen ordentlich geschrieben ist, wohl um Jean Pauls Forderung nach einer besseren Handschrift nachzukommen, thematisch überschneidet.