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Regensburg. 25. XII. 10.

Hochgeehrter Freundin

Nur die Rücksicht [...] ausgedehnten Wirkungs-Kreißes, worin Sie die DoppelRolle einer Muse und Mutter spielen, siegte bisher über mein Verlangen, Ihnen früher für Ihre freundliche Bewirthung bey meinen Ueberfällen in Bayreuth zu danken. Ich schied mit erneuter inniger Ergebenheit an Sie und die Ihrigen, und war uberzeugt, daß Sie keinen Zweifel in die Wahrheit meiner Gesinnungen sezten. Mit demselben Gemüth werden Sie auch diese Zeilen und die Bitte aufnehmen, das beykommende mir als |2 vorzüglich gut empfohlne Bier zu seiner Zeit und Stunde Ihrem Richter darzureichen. Nächstens werden dann bey eintretender Kälte, zwei Eimer des besten hier gebrauten Biers unter Ihrer Addreße abgehen, wenn Sie nicht vorziehen, daß ich es nach Frankfurth spedire, wohin ich ohne Kosten es zu befördern Gelegenheit habe. Ueberbringer dieses, Herr GeheimeRath und F. Taxischer Leibarzt Schäffer wird um die Erlaubniß bitten, Ihnen aufwarten zu dürfen. Erlaubte es Ihre Zeit, so bät ich um Uebersendung der mich sehr intereßirenden Briefe meines |3 Bruders. Von dem Schicksal Ihrer lieben Schwester Spazier wünschte ich etwas bestimmteres zu wißen. Hat Richter meinen Brief vom 4. Decbr. erhalten? Es ist nicht alles so wie es seyn sollte ... Doch brich mein Herz, denn schweigen muß mein Mund ... so, wie Hamlet die Bühne verläßt, scheide ich leider von diesem Blatt, indem ich ihm die herzlichsten Wünsche für Ihr gemeinßames Wohlseyn zur nahen Eröffnung des neuen Jahrs beyfüge. Gäben Sie mir doch Gelegenheit Ihnen Beweise der Hochachtung zu geben, mit welcher ich die Ehre habe mich zu nennen

Ihren

treu ergebnen Freund
LudwigvonOertel.

Zitierhinweis

Von Ludwig von Oertel an Caroline Richter. Regensburg, 25. Dezember 1810, Dienstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0679


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 3 S. Auf S. 4 vielleicht von der Hand Emma Richters: Emma Richter


Korrespondenz

Zur Zeit der Abfassung des Briefs war Caroline Richter bereits in Altenburg (seit dem 7. Dezember 1810), um dort ihre erkrankte Schwester Minna Spazier zu pflegen. Möglicherweise wurde der Brief direkt dorthin oder ihr aus Bayreuth nachgeschickt.