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Korrespondenz

Von Max Richter an Caroline Richter. Heidelberg, nach dem 16. Januar 1821

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Meine beste Mutter!

Jetzt bin d i ch Dir auch noch Antwort schuldig auf Dein liebes Briefchen , das ich durch Reizenstein bekam. Daß der Vater etwas krank war, fuhr mir durch Mark u Bein; aber nicht wahr, ihr schreibt mir gleich, wenn eine Krankheit im Hause ist; ich bin ganz gesund u kann mich, wenn ich auch etwas geschwächt bin, gleich auffrischen. Von meinem Weihnachten kann ich nichts euch erzählen, denn ich war zu Hause, aber um doch eine Freude zu haben, bescherte ich meinem Merk, der ausgegangen war, auf einem Tischchen ein Federmesser, Papier u einige Federn mit einem Brief u so beschloß ich den heiligen Tag recht heiter. Der Neujahrstag ließ nur mich tausend Schüsse, die durch Studenten in die Luft u in den Straßen fielen, auch hören, u war an eine Fassung ziemlich gestört; doch gleich nach dem Glockenschlag 12 ließ der Lärm nach u ich betete recht innig für Euch Alle. Die Tage verfliegen mir hier wie Minuten u daß schon längst die erste Hälfte des Semesters vorüber ist, kann ich kaum begreifen, da ich noch keine großen Fortschritte sehe. Ich muß mich |2 aber recht schämen, daß ich der Odilie nicht einmal gedankt habe für das schöne Geschenk; ich mag u wage ihr daher nichts zu schreiben; aber ich will sie mit etwas anderem überraschen. Geht in Baireut noch immer der hohe Ton seinen allen Gang oder kann man einmal wieder nach freier Luft mit dem Frühling schnauben? Mir thut es oft weh, daß die gute Welden in solcher Gezwungenheit lebt, daß ein solches Weib von einem solchen Manne abhängig sein kann. Hat wohl der Maler in Bair. der den Vater so gut traf, noch einige Bilder vorräthig? Carové wünscht sogern, sein schlechtes, das ihm fälschlicherweise zugekommen ist, umzutauschen. Die alte Voss ist ganz auf den Beinnen u freut sich schon im Voraus auf Deine Ankunft. Kürzlich hörte ich von jener Bürger sprechen, die in B. ihr Unwesen trieb, in Frankfurt ist sie allgemein verhasst. Dabei frage ich: f wohnt Thiriot in Mainz u Ka Krauseneck; u: sind das die Müffling's die vor vielen Jahren in B. hausten? Dem ersten bringe ich, wenn ich dahin komme, auch Grüße von unserem herrlichen Emanuel. Gott segne Dich, meinen Vater u meine Schwestern .

Zitierhinweis

Von Max Richter an Caroline Richter. Heidelberg, nach dem 16. Januar 1821. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). Textredaktion der Briefe von Max Richter: Dürten Hartmann. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0734


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Bl. 8°, 2 S.


Korrespondenz

B: Von Caroline Richter an Max Richter. Bayreuth, erste Januarhälfte 1821

Zur Datierung: Es handelt sich um eine Antwort auf den Brief von Caroline Richter an Max Richter, den sie in der ersten Januarhälfte 1821 geschrieben hatte.