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Korrespondenz

Von Emanuel an Henriette Schwendler. Bayreuth, 12. und 13. Januar 1809, Donnerstag und Freitag

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B. 12 Jan. 9.

Beste Henriette! Gerade war gestern meine Nachbarin, die Schukmann bei mir, als Kanne mir Ihr Blatt schickte, für das ich recht schön u recht herzlich danke.Eine särkere Exekuzion giebts für mich nicht, wenn ich Jemand eine Antw. schulde als ein schriftliches Nachwort.Es gab bei mir seit einiger Zeit eine größere Lese- als Schreibelust und dadurch häuften sich meine Schulden etwas an: aber ich will mein Vermögen verbessern und muß also anfangen Schulden abzutragen. Sehr lieb wäre mirs gewesen, wenn Sie Kanne hätte aufsuchen mögen und nicht lieb, wenn Sie ihn aufgesucht hätten , ob ich gleich ihn liebe und achte. Dießmal hatte also Ihre Bräune eine weiße, mir gute Seite; die beste Seite an ihr ist aber, daß sie Ihnen die Kehrseite gezeigt. Warum ich es besonders gerne gesehen hätte, wenn Sie diesen Bräutigam – ein Wort was nicht so wohl lautet wie Braut – gesehen hätten; weil ich ein ausführlicheres gründliches Urtheil von Ihnen über seine Wahl möchte.

Die Schukmann u ich konnten über diese Mariage nicht einig werden und endlich provozirten wir beide auf ihr Urheil.Haben wir das, dann schreib ich Ihnen das meinige und die Schukm. auch das ihrige.Besonders wünscht' ich in Ihrem Urtheil zu finden, ob in dieser Mariage etwaswas und wer mehr zu tadeln oder mehr zu loben dabei ist?

13t. Eben erhalte ich von meiner Freundin Jette in Carlsr den ersten Brief in diesem Jahre . Auch sie hoffet in ihm wie Sie. Es ist das größte Glück, Freunde zu haben und, da bisweilen der liebe Gott – bisweilen auch die Welt einen abgehen läßt – jener und diese zu sich – so ist es gut, wenn uns jener in dieser einen Ersatz giebt.

Ich bin stolz auf Ihr Gefühl am Vorabend des neuen Jahres und genieß' und theil' es mit Ihnen. |2 Haben Sie mir nicht sich zur Freundin, haben Sie mir nicht noch die Schwester und die Tochter gegeben – als eine heilige Dreieinigkeit für meinem Tempel der Freundschaft geweihet?Aber in diesem Jahr verlor ich auch viel, ich bedurfte des Ersatzes und werde ihn immer bedürfen, denn meine aelteste Freundin, meine Mutter nahm Gott sich näher !

Doch glücklich ist sie und ruhiger noch, als sie's hier nie war, nie hätte werden können und daher erwart' ich, auch ruhig, den Tag, an dem wir sie mich und ich sie wieder sehen werden und diese Hofnung – wäre sie auch vergebens – ist mein Trost hienieden.Ihre Erscheinung mußte in diesem Jahr und in diesen Zeiten, um so wohlthätiger auf mich wirken, als es mir nicht möglich war selbst eine Wallfahrt anzutreten.Gott segne Sie in diesem Jahr und immer für Ihr und der lieben Ihrigen Kommen.Die Schukm. will im nächsten Jahr Sommer eine Reise nach Meiningen machen und dort bestimmen, ob sie dort bleiben kann .

Ich billige diesen Plan ganz.Aus Ihrem lieben Brief erseh' ich, daß Sie die jüngste Tochter meines Uhl – er trug mir Grüße aus seinem biedern Herzen an Sie auf – damals, als ihr edler Verlobter hier [...] war, auch hier glaubten; sie war aber nicht hier und wir haben sie in vierthalb Jahren nicht gesehen, denn Sie lebt, wie Sie wissen, bei J. Br. in Carlsr.

Werden Sie weniger geliebt, oder besser, glauben Sie weniger geliebt zu werden, als Sie glauben zu lieben: so trösten Sie sich damit, daß das eben der rechte Glauben einer liebenden Seele ist.Was haben Sie nach anderer Liebe zu fragen, wenn Sie nur recht und ächt – lieben?

|3 Gott ist die Liebe selbst und wird von keinem Gott, sondern blos von uns armen Menschen geliebt, und wie weit bringen wirs – wenn wirs auch bringen – in der Liebe zu ihm?

Zwar werd' ichich allein von Vielen geliebt und das ist schon ein großer Vortheil dem Liebenden; aber ich könnte den Gedanken nicht ertragen, von irgend einem sterblichen Wesen rein mich mehr geliebt zu wissen, als rein dasselbe zu lieben.

"Kein Sterblicher schuldet Liebe mir –; allen schulde Liebe ich" heißt das Gesetz der Liebe, das sich – wie Gott – selbst gegeben in uns.Aber nicht in Worten; auch nicht in Thaten, sondern in sich selbst erfüllt sich diese Liebe.

Meine Schwägerin wurde durch Ihren Gruß recht schön überrascht.Die Arme ist immer kränklich. Sie leidet an einem schwachen Körper, den sie ihrer nicht hinlänglich starken Seele zuschreiben kann. Kurz, sie ist unglücklich u es ist ihr nicht leicht zu helfen, weil ihr nie zu rathen ist.Ich soll sie von ihr grüssen u soll Ihnen für Ihr Andenken danken u ich thue hiermit beides recht gerne. Wird der Himmel mir Sie in diesem Jahre sehen lassen?

Küssen Sie mir Ihren Schwendler u Ihre Pauline.Bleiben Sie gesund u sagen Sie mir, daß Sie's sind.

Em.

Zitierhinweis

Von Emanuel an Henriette Schwendler. Bayreuth, 12. und 13. Januar 1809, Donnerstag und Freitag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0755


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Textgrundlage

K: Slg. Apelt
1 Dbl., 3 S. (auf S. 2 bis 4 des Briefes von Henriette Schwendler an Emanuel vom 5. Januar 1809).


Korrespondenz

B: Von Henriette Schwendler an Emanuel. Meiningen, 18. November und 4. Dezember 1808
B: Von Henriette Schwendler an Emanuel. Meinigen, 5. Januar 1809

Wohl zusammen mit Emanuels Briefen an Amanda Schlabrendorff und an Antonie von Mützschefahl vom 14. Januar 1809 verschickt.