Edition Umfeldbriefe

Von Minna Spazier an Friedrich Kind. Leipzig, 28. Februar 1809, Dienstag

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Leipzig 28ter Februar 809

Immer noch keine bestimmte Zusicherung – theurer Kind, und doch liegt mir an keiner so viel als an der Ihrigen!

Es sind bereits hübsche Beiträge eingelaufen, aber Sie wißen welch ein vielköpfiges Ungeheuer das Publikum ist. Mancher labt sich an Früchten und meint ihnen erquickenden Saft auszu [...] saugen wo ein andrer sie Trauben von Wachs schilt. Und Viele, wollen da sich recht herzhaft satt eßen, und den Leib voll laden, wo Andren nur um einen leichten Kitzel auf der Zungenspitze gedient ist. Darum möchte ich gern für Alle etwas haben. Neben Konfekttellerchen, saftiges Fleisch, und erquickliche Brühe.

Ich weiß wenig Schriftsteller denen es so gelingt, das gehörige Maß, an Körper und Geist – neben duftige Wolkengebilde, das rechte Fleisch und Bein aufzustellen, wie Sie lieber Kind! – Können Sie sich da wundern was ich so unruhig, ja fast ungestüm in Sie |2 dringe?

Sie werden die Anzeige Ihrer Gedichte in der eleg. Zeitung gefunden haben . Glauben Sie nicht etwa daß sie von mir sey – oder vielmehr Sie werden es ihr sogleich angesehen haben daß das Gegentheil der Fall ist.

Wie hat Ihnen der Aufsatz des Herrn von Ramdohr , in diesem Blatte gefallen? Kennen Sie den Maler Friedrich? – Ich gebe mir alle Mühe diesen gemüthvollen Künstler für eine neue Unternehmung zu gewinnen , für welche außer ihm noch Hartmann und Kügelchen thätig seyn werden.

Leben Sie recht wohl theurer Freund, und entledigen Sie mich bald jedes Zweifels der sich noch immer zwischen mir und meine Hoffnung stellen will.

Minna Spazier

Zitierhinweis

Von Minna Spazier an Friedrich Kind. Leipzig, 28. Februar 1809, Dienstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0896


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Textgrundlage

H: Museum Schloss Lützen, Sammlung Oskar Planer, Pl 752 c
1 Dbl., 1 ⅔ S.