Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Ernst Wagner an Charlotte von Schiller. Meiningen, 13. Oktober 1809, Freitag

Darstellung und Funktionen des "Kritischen und kommentierten Textes" sind für Medium- und Large-Screen-Endgeräte optimiert. Auf Small-Screen-Devices (z.B. Smartphones) empfehlen wir auf den "Lesetext" umzuschalten.



|1
Meiningen den 13n Oct. 1809.

Ewr. Hochfreyherrliche Gnaden

würde ich vergebens das süsse, freudige Gefühl zu schildern versuchen, mit welchem Ihr Verehrtes vom 4n d. M. von mir durchlesen und das dabey befindliche schöne und reiche Geschenk Ihro Kaiserliche Hoheit der allverehrten Frau Großfürstin betrachtet ward!Es thut wohl, meine beste gnädige Frau, wenn die Grossen der Erde uns irdisch beschenken – aber es ist doch eine höhere, eine himmlische Freude, wenn die weibliche Hoheit, in Maria's Liebenswürdigkeit und Reinheit gedacht, vom Throne herab einen gnädigen Blick der Erinnrung nach uns wirft – und ach, möge Gott Beydes dieser Herrlichen und Guten mit den schönsten Blüten aus dem Füllhorne des Glücks vergelten!

Darf ich Ewr. Hochfreiherrliche Gnaden unterthänig ersuchen, Ihro K. H. die Empfindungen meiner tiefsten Verehrung und allerunterthänigsten Dankbarkeit zu Füssen zu legen?, da ich dieß für die einzige Art halte, den Ton meiner Rührung dem Ohr der hohen Frau vernehmbar machen zu dürfen? (Im Fall ich hierinn dennoch irren sollte, würde ich Ewr. Hochfreiherrliche Gnaden gnädigen, nur durch Herrn Abeken mir zu ertheilenden Wink mit lebenslänglichem Danke verehren!)

Wäre ich im Stande, Ihnen, gnädige Frau, nur ein schwaches Wort von den Empfindungen meines Innersten gegen Sie Selbst zu sagen – ach, ich versuchte jetzt das, was ich schon oft wollte, nie vermochte – ach, sähen Sie, wie mild noch jetzt meine Thränen wieder fliessen, Sie würden den Gruß eines treuen Herzens erkennen und nicht verschmähen – eines Herzens, das den Himmelswerth des Schönen, Reinen fühlte und fühlen wird, und für dessen Hoffnungen der Ewigkeit, sich nun bald die Zeit dieser Erde lieblich, wie eine Blume, füllt – wer wollte nicht freudig jenem schönen Lande zueilen, wo das Treffliche nicht mehr vergeht!

Gottes Seelenfrieden über Sie und jeden Ihrer Augenblicke!In ewiger reiner Verehrung

Ewr. Hochfreiherrliche Gnaden

unterth. Diener
JEWagner.

Zitierhinweis

Von Johann Ernst Wagner an Charlotte von Schiller. Meiningen, 13. Oktober 1809, Freitag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0910


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

H: Faksimile Baumbachhaus Meiningen (ehemals Slg. König),
1 Bl., 1 S. S. 2 Adr.: Ihro | der Freyfrau von Schiller geborene von | Lengefeld | Hochfreiherrliche Gnaden | in | Weimar. | frey.