Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Carl und Anton Wagner an Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen. Meiningen, 17. Dezember 1811, Dienstag

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Meiningen den 17ten December.
1811.

Lieber Herr von Truchseß!

Wir lieben Sie alle so herzlich, und sind von Ihrem Schreiben so gerührt, daß wir zu Ihnen nicht anders als Kinder zu ihrem lieben Vater zu sprechen wissen; und hoffen auf Verzeihung.

Nun wollen wir Ihnen ganz treu des Arztes Meinung, unsers Vaters Gefühl, und zugleich die ganze Krankheit berichten. Es ist ein Nervenfieber, welches mit Rheumathißmuß anfieng. Gleich in den ersten Tagen fühlte unser Vater, daß er sterben würde: da er aber den gefahrfollen dreyzehnten Tag überlebt hatte, und jederman sagte, daß der Kranke sich immer bey solchen Fiebern schlechter fühle, als er wirklich wäre, faßten wir wieder Hoffnung, besonders da es mit jedem Tage besser ward. Nun ist aber ein sehr übler Umstand dazugekommen; und er leidet die fürchterlichsten Schmerzen an dem Orte, wo er aufliegt, denn es sind schon einige tiefe, und sogar eine brandartige, Wunden da, die böß zu kurieren ist, da er schlechterdings in keine andre Lage zu bringen ist. Heute endlich schickte uns der Himmel ein Mittel, wenigstens zur Erleichterung der Schmerzen, welches in einem, mit einem Loch, versehenen ledernen Küssen besteht. |2 Heute aber glaubt der Vater fester als je, daß er der, von ihm sehnlichst erwünschten Auflösung nahe sey.

Ach gnädigster Herr! wenn man sieht, was er leidet, und wie himmlisch gut und gedultig er dabey ist, glaubt man sein Bessers schon im Himmel, und stimmt in seine Wünsche ein.

Der Doctor glaubt fest, daß er auf dem Wege der Besserung sey, und nach und nach sich alles geben werde. – Wir werden Ihnen, so oft es uns möglich ist, Nachricht von seinem Befinden Nachricht geben.

Ihre

unterthänigsten
Wagners-Kinder.

Zitierhinweis

Von Carl und Anton Wagner an Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen. Meiningen, 17. Dezember 1811, Dienstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0972


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Textgrundlage

H: Baumbachhaus Meiningen, IN XIV-3/6541
1 Bl., 1½ S.