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Montag am 25ten Juny.
21.

Daß Du meinen Brief schon erhalten u gar aus Baireut, dafür spricht die Aufmerksamkeit u Pünktlichkeit, die meinen Sachen dorthin immer folgen sollen. Jetzt nur noch ein Appendix, der mir, andern nicht, dießmal ungern u unlieb geschiehet, der aber zum Ganzen, zur Wahrheit gehört. Du hast hier ein paar Blätter, die ich Dir, keinem andern, mittheilen möchte, selbst meinem Vater nicht so gern, der Kreuzer so nicht kennt u kennen kann, ich meine, von seiner wissenschaftl. Seite; Du hast vielleicht die Vossische Rezension in d. Jen. Lit. gelesen; auf jeden Fall überzeuge Dich von der argen Persönlichkeit, denn das Übrige ist v. ihm auch noch un t e ntschieden. Auf diese Reden, deren Inhalt hier nur in 2 Bogen bekannt waren, erfolgte v. Creuz. diese Vossiana , die ihm übereilt ist, mir wehe thut. Wer ihn hört u deshalb ganz kennt in d. Vorträgen über Religion , der wird diese Blätter für eine der größten Ubereilungen, freilich auf einem nicht guten einen Grund des Herzens gestützt, halten; dazu kommt, daß er selbst Vielen seine Ruhe beschrieben hat, die er bei persönlichen Angriffen sich immer zur Regel macht; Seine Gegenwitze sollen etwas bedeuten, u bedeuten doch nichts; Alles ist verworren u nach Durchlesung weiß ich nur so viel, als, daß er künftig nichts mehr damit zu thun hlen will. Seine muntere Laune war seit d. Fackelzug gesteigert u, wie ich glaube, sein Muth, seine Männlichkeit, die sich standhaft beweisen soll gegen anders geglaubte Nachgiebigkeit, veranlassten diesen für uns Zuhörer nie gewährten Schritt. Dieß gehört zur Beurtheilung eines Mannes, der, durchaus orientalisch, eben in jedem kleinen Zug sich verräth, in jeder Andeutung einer der geringfügigsten Andeutgn Sachen. Voss lachte darüber; Was den Amerikanischen Doctor betrifft, so kommt dieser eben von Berlin u sollte durch Voss (ich war selbst diesen Abend bei ihm) auf seine Mythologie verleitet werden, d.h. abgewendet von dem ihm gut bekannten Creuzer; Durchs dritte Ohr erfuhr dieser das Gespräch u so wurde ein sonst richtiger klarer Ozean mit keinem goldenen Schifflein befahren, wie bei Homer Hälios (bekanntlich heißt Creuzer bei uns gewöhnlich Kneph aus bekannten Ubereinstimmungen.) Das Magerwirthaus will ich bei meinem Weggehen abzeichnen. |2 Doch hierüber habe ich ein langes Wort mit Dir mündlich zu sprechen; jetzt nur ein kurzes – Kapp wohnt seit einigen Tagen bei mir. Willst Du Grüße von ihm? Wieviel? Wie viel? Alle gib Dir selbst. Die Gegend wird natürlich von neuem bestiegen u die Menschen werden kritisirt. Ein herrlicher Abend bei Voss gestern Abend!

Zitierhinweis

Von Max Richter an Hans von Thüngen. Heidelberg, 25. Juni 1821, Montag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB1019


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Bl. 8°, 1⅙ S.


Korrespondenz

Brief nicht weitergeführt, ohne Gruß und Unterschrift. Vielleicht nicht abgeschickt?