Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Ludwig I. von Bayern an Caroline Richter. München, 3. Dezember 1825, Sonnabend

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Frau Legationsräthin Richter! Ich fühle und beklage mit Ihnen den schmerzlichen Verlust Ihres Gatten, der – eine wahre Zierde der teutschen Litteratur – das geistige Leben so vielseitig angeregt, in empfänglichen Gemüthern Empfindungen der Tugend geweckt und genährt hat und, den Ich als Schriftsteller, wie als Menschen, gleich sehr geachtet habe. Die Erinnerung an Das, was er geleistet, und die Ueberzeugung von einer allgemein dankbaren Anerkennung seiner Verdienste, um Wissenschaft und die Bildung des Schönen, wird auch Ihr Herz stärken, diese schwere Prüfung auf eine – des Vorangegangenen würdige Weise mit religiöser Ergebung zu tragen.

Mit Vergnügen ertheile ich Ihnen, für die sämmtlichen Werke Ihres verlebten Gatten – diese kostbaren Schätze seines schönen Geistes –, das nachgesuchte Privilegium gegen den Nachdruck. Ich habe zu dessen Ausfertigung, bereits unterm heutigen, mein Staatsministerium des Innern angewiesen, und es sollte Mich freuen, wenn diese Verfügung etwas zu Ihrer Beruhigung beizutragen vermöchte. Auch werde ich diesen Wunsch, zu einer gleichen Rücksichtnahme Seiner Majestät, dem Kaiser von Oesterreich, empfehlen.

Uebrigens versichere ich Sie bei diesem Anlasse, jener gnädigen und wohlwollenden Gesinnungen, mit welchen ich stets verbleibe

Ihr
wohlgewogner Ludwig.

Zitierhinweis

Von Ludwig I. von Bayern an Caroline Richter. München, 3. Dezember 1825, Sonnabend In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB1147


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Textgrundlage

D: Theodor Distel: Zum bayerischen und sächsischen Privilege für Jean Pauls Werke. Beiträge zur Geschichte des literarischen Eigentums, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte, Bd. 3, 1896, S. 112-116, hier S. 112.