Von Paul Emile Thieriot an Jeanne Marie Thieriot. Dresden, 16. Januar 1801, Freitag

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Dresden 16. Jan. 1801

Euere Briefe , meine brüderliche und schwesterlichen Lieben, gaben mir Mittwoch Abends bei Tisch, zum ersten weichen Fleisch (e. Carbonade mit Braunkohl, guten Pflaumen u Käse) ein noch besseres Schaugericht, eine süße und privilegirte Tischlektüre. So daß die Prophezeiung Felix im Kalender , die mich den ganzen Tag belogen, doch noch in Erfüllung ging.

Machen einem die Hexen von Redaktri z c en nicht bange? Bei den Worten: "Ohne Murren – schlimm für dich ausfällt, murrt' ich schon – doch auch schon resignirt, aß und las ich nur langsamer fort. Nun gar den Misverstand. ! (Ich habe sicher geschrieben: "auch ein andres Auge von Cousin N." und meinte eines, das heller gesehen haben würde, wenn es den Brief gelesen hätte – und für das der Eingang desselben, wo mir recht ist, gar mit geschrieben war.)

|2 Mit dem Lob bin ich zufrieden.

(Das R.sche Gedicht / auch meines zeig doch – der SteStei Steinkunst wunder halber – Hermannen , damit er sich einen Buckel lacht: – "Nicht den Jammer, nicht die Thräne, die noch übrig ist ungeborne, die nicht schon bitter floß" will meine Dichtk. wecken. Auf das Süße im Ausweinen wird nicht angespült. Todten w ä a re ein (v. mir corrigirter) Drukfehler – wie das anders gedrukte Seine noch ist.

Unter den Hochzeitgedichten gefiel mir A am besten – einiges (Wie es webt pp) schon früher – vom Prolog V. 3.4. "Zum Narren" geht nicht.

Der Oncle befürchtete einen Leibesschaden bei sich; und sind euch denn nicht meine 77 – Befürchtungen u. Defaillancen erinnerlich?

Daß mein Jeannettchen nicht wohl gewesen, hab ich gern gehört. Wie wirds mit dem Garten? – Emilie |3 ist wohl u gut – bis auf die angeborne Affektatzion od. Familien-Selbst- und Scheinsucht. Doch ist sie sogar mir gut, wenn ich sie gleich überall (den Aberglauben an ihre "Sonderbarkeit" durch Unglauben ) zu demüthigen suche und ihr lächerlich zu machen suche. Ich treibe sie sehr Dir zu schreiben, – Sie loben alle Deine (Jeannettens] schönen Briefe.

Die an mich bewahr' ich in einem Sake auf, der (recht passend) von alten Leipz. Zeitungen gemacht ist. Ersetzt Ihr mir immer so die neuen! Von Ihnen, liebe Heinroth, bitt' ich mir besonders – wenn Sie mein Goldtöchterchen bleiben wollen – nun auch etwas Dehnbarkeit u. Weitläuftigkeit aus, worin ich Ihnen mit diesem Epistel Exempel vorangehe.

Selbst auf der andern Seite steht noch was.

|4 Mittags 12 Uhr

Denn ebendlich erhalt ich doch noch den Saal mit der Drehmandel ohne diese . Von der Frau, der Mad. Redlich , hab ich ihn durch meine Artigkeit und gute Maniren errungen. Heute zettl' ich die Privatsubscription an, u. den 24. wills Gott geb ich mein Abschiedsconzert.Bleib ich dann den Januar hinaus in Lübben, so komm' ich (wenn ich noch gehen soll) in Berlin nur 14 Tage eher an, als die [...] / pour donner Conc. vorbei ist – welcher Verzug mir ohnedies nöthig ist, u. freilich noch unschädlicher wäre, wenn ich in keinen Gasthof wohnen müsste. – Dann seh ich uns Euch [...] aber so bald nicht wieder beisammen. – Noch eins an Dich, Jeannette. Streich Deine Wörter nicht so aus, daß man das Ausgestrichene nicht mehr zu lesen ist.

Gott grüß Euch!

Paul

Meine Wäsche (Beiläufig) ist jetzt in der allgemeinen.

Soll Will man noch b. v. Jordan / wegen der Zeit anfragen?

Zitierhinweis

Von Paul Emile Thieriot an Jeanne Marie Thieriot. Dresden, 16. Januar 1801, Freitag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1223


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin V, 243
1 Dbl. 8°, 4 S.