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Korrespondenz

Von Paul Emile Thieriot an Emanuel. Leipzig, 13. März 1802, Sonnabend

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Leipz. 13. März 1802

So bist denn auch Du mit meinem gütigen Schicksal in Bund getreten, das von früh an allen meinen Wünschen zuvorkam / den labenden Durst praeservative stillte, und mir immer gab, ehe ich noch verdiente und / oderbedurfte.

Hüte Dich, Emanuel, mir ein Mädchen zu verschaffen, das ich od. das mich nicht besitzen kann; bedenke Dich, Dein heiliges Wesen an einen Heiligenschein, an ein bisher noch erborgtes Daseyn zu binden; schicke ihr nichts geschriebenes von mir, damit sie auch von meinem Kopfe nicht zu angenehm träume, obwohl hierin die Entzauberung einer solchen Titania leichter u. unvermeidlicher ist: kurz, seyn Sie – das ist die Absicht dieses erhabnen Eingangs – ein bischen weniger ruhig u. gelaßen (die Unpartheilichkeit kann nicht schaden) in dergl. Unternehmungen und möchten Sie – das wäre mein aufrichtiger sehnlichster Wunsch – auch aus meiner Antwort nicht recht klug werden können!

|2 Denn bei alle dem lautet sie doch noch nicht wie Nein –: nur zur Gegenliebe, mein Freund, will ich mir durchaus nicht verholfen haben: aber wenn Du machen kannst, daß ich mich zuerst verliebe oder auch – so soll es mir lieb seyn.

Freilich sie muß lodern, wenn gleich nicht für mich – daher es mir beßer gefallen hätte, wenn das "Vorsichtiger" als Erläuterung über dem "kälter" geständen hätte als daß es nun verkehrt steht.

Heirathen kann ich u. möcht' ich noch lange / bald nicht – Mein Reichthum kömmt nicht von Reichen her u. reicht nicht hin. Es sind – außer meinem Violinbogen u. Nahrungszweig – 3000 rth, in der Handlung Thieriot et Bassenge liegend . Ich bin seit v. Jahr mündig .

|3 Ueber Paris kann ich zur Zeit auf keine Frage antworten als auf die erste. Nämlich herrlich wär's! – Aber ich hänge noch etwas ab

  • 1, Von der Antwort aus Paris, die meine Leute noch nicht haben
  • 2, von meinen Leuten, d.i. mein Onkel, mit dem ich reisen soll, falls er (welches er eben auch noch nicht weiß) reiset.

Dieses ist desto dümmer, da es mich vor der Hand auch von Mein u i ngen abhält, wohin mich überdem Richter durch sein Schweigen nicht unwiderstehlich zieht. Sag' ihm, daß, wenn er von eine s m dort u. hernach hier gewesenen Geiger, Eck , für mich fürchtet, ich mich nicht fürchte.

Sobald ich also Antwort habe, hast Du sie auch: unterdeßen aber mag ich nichts zu verantworten u. nichts nach mir gefragt haben.

Mittags. Prestissimo

Die allerliebsten Mädchen, meine Schwestern ! laßen mich da von |4 Meiningen u Richter schreiben u. bescheren mir erst jetzt zum Dessert den Brief , den sie den Vormittag verstekt gehalten, womit sie mich aber sogleich vom Tische jagen, um – ihn abzuschreiben:

Mein. d. 8. März

Der Himmel weis, was ich Ihnen zu sagen hatte. Auf Ihr Kommen wird nun alles verschoben. Vermuthlich kommt Eman. in meiner Geburtswoche ; in diese sollten Sie auch herein, besonders da – me vate te teste – das schönste Wetter dan ist. Der Herzog – bei dem ich schon Ihr Apo- u. Prolog gewesen – wird Ihren Geigen- u. andern Hals mit Freuden hören; aber sonst dürfen Sie auf besondere Konzerte u. Ohren hier nicht sonderlich rechnen. pp

Aber leider darf ich nicht ohne diese Rechnung u. Wirthe den Gast machen (obwol den Durchreisenden etwa nach Paris) – also, Emanuel! es bleibt beim Schluße dieses Briefes noch ungewiß, ob ich Eure Freude theile u. mehre – wenn sie (auch so) vermehrt werden kann – und

adio indeß!

Thieriot

Godwi's Verfaßer ist ein Todter, Brentano . Ich hab' ihn nicht gekannt. – Weissens Geburtstag war im Februar, seiner Tochter ihrer ist d. 2te July . Nächstes mehr!

Zitierhinweis

Von Paul Emile Thieriot an Emanuel. Leipzig, 13. März 1802, Sonnabend. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1246


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Textgrundlage

H: ehemals Slg. Apelt,
1 Dbl., 4 S.

Überlieferung

h: BJK, Berlin V, 138
Briefkopierbuch der Briefe Thieriots an Emanuel, H. 1, S. [5]–[6] (unvollständig, vom Original stellenweise abweichend).

D: Abend-Zeitung, Nr. 3, 4. Januar 1843, Sp. 20 (nur kurzer Auszug).


Korrespondenz

B: Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 9. März 1802
A: Von Emanuel an Paul Emil Thieriot. Bayreuth, 13. April 1802

Präsentat: 13. April beantw.