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Korrespondenz

Von Paul Emile Thieriot an seine Familie und an Christiana Friederica Heinroth. Dresden, 21. Januar 1801, Mittwoch

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Dresden 21. Jan. 1801
Abends

Da ich einmal antworten muß, so will ichs auf der Stelle thun: denn morgen u. übermorgen könnt' ich vielleicht nicht zum Schreiben kommen.

Vor allen Dingen will ich mich freuen, daß nun wieder die Reihe an Euch ist – wenn ich Euch gleich, als Anfängerinnen, 2, ja 3 Züge hinter einander in unserm Brief-Schach gern vergönne. Matt wenigstens könntet nur Ihr dabei werden, Ich sicher nicht – aber auch aus Euch hoff' ich mit der Zeit noch Schriftstellerinnen aus Neigung zu ziehen, wie Ihr aus mir einen Briefsteller.

|2 Nur in Einem noch folgt Eurem Erzieher, (dieß gilt bloß der Heinroth:) und schreibt wenig mehr vo m n Eurer "Schreibe y r ey" – Loben dürft Ihr euch, wie ihr an mir seht.

Wenn Ihr aber nur desto mehr "sitzen" wollt, und nicht jedes Briefchen, das ihr aussitzt, Eurer Gesundheit mit einerPromenade / in den Kohlgarten ppfrankirt (solltet ihrs auch selbst auf die Post tragen) so sollt Ihr gar nicht / keiner Seele! mehr schreiben.

Lacht nur
Welches genug seyn wird – schon, verboten zu haben.

Vergangner Montag hieß Priska d. heist die Alte , aber im guten Sinn: z. B. Die gute alte Zeit pp Aber wie soll ich deuten, ohne zu wissen worauf? "Ich habe meine Ursachen" Die hab' ich nun auch, um neugierig zu seyn.

|3 Das englische Wörterbuch soll man nicht weiter suchen, geschweige ein Wort darin. Ich erinnere mich ohne nachzuschlagen, daß ein gewisser Polt oder Bete , den wir sonst im Hause hatten, ein solches vor mehreren (vielleicht 5) Jahren verlieren half.

Freilich hätt' ich besser gethan ein Concert auf der Drehmandel zu annonciren. Indessen hoff' ich keinem leeren Saale / nur fasst er nicht über 200 die Ohren voll zu geigen. Auch Cauer verwendet sich. – Immer entschädigt mir der ungemeine Beifall: denn so wie heute (Sonnabends d. 24 Jan. da Sie hoffentlich diesen Brief erhalten) spielt' ich noch nie.

Das Quartett ersuch' fodr' ich namentlich auf, seiner 1ten Violine in Dresden |4 gegen 8½ Uhr, einhändiglich u. vernehmlich zu applaudiren.

Von Furcht fürcht' ich nichts als Ihre Furcht vor meiner Furcht, lieber Papa!

Gott befohlen!

P.

Jaquen statte t n hier seine Federn selbst den Dank für ihre Bildung ab. Sie sind – ich lobe wo ich kann, und sie streichen sich schon auch selber heraus – in einem recht guten Style geschnitten.

Zitierhinweis

Von Paul Emile Thieriot an seine Familie und an Christiana Friederica Heinroth. Dresden, 21. Januar 1801, Mittwoch. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1406


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin V, 243
1 Dbl. 8°, 4 S.