Von Paul Emile Thieriot an Jeanette Thieriot und Christiana Friederica Heinroth. Berlin, 31. März und 1. April 1801, Dienstag und Mittwoch

Darstellung und Funktionen des "Kritischen und kommentierten Textes" sind für Medium- und Large-Screen-Endgeräte optimiert. Auf Small-Screen-Devices (z.B. Smartphones) empfehlen wir auf den "Lesetext" umzuschalten.



|1
Freitag 3. April / Leipzig.

Gestern also, könnt Ihr sagen, war das langerwünschte Conzert in der Stadt Paris in Berlin , das ein Bruder von uns gab, und das uns ihn nun wiedergiebt.Er gab dieses Conzert mit dem ungetheiltesten Beifall der dankbaren Kenner u. Bekannten, denen er die Billets geschenkt, und der wenigen Gönner, die sie gekauft bezahlt. Kurz er gab noch mehr als er einnahm: Dafür nahm er auch sämmtliche Herzen ein – die Herzbeutel öffneten sich willig, weil wenig drin war – und selbst die gefalteten Hände der Zuhörer öffneten thaten sich ermuntert vom musikalischen Klingelbeutel auf, und zahlten gern doppelt und 3 fach nach in der klingenden Münze des Klatschens – ja die Zungen noch früher . . .

|2 Die vorige Seite sollte Euch die Angst einjagen, die diese wieder vertreiben soll. So gar schlimm sieht es heute (Dienstag 31. März Abends) noch nicht mit dem Concert aus, das übermorgen ganz unfehlbar gegeben wird , und auch seit Sonnabend schon in allen 3 hiesigen Zeitungen angekündigt ist. Zu verlieren hoff' ich wenigstens nichts dabei, und an Ehre zu gewinnen, was dem Ehrensold abgeht. Die Jordans unterstützen mich noch gut genug. Wolf Levi hat sich, da ich bei ihm war, nicht angeboten, Billets unterzubringen, u. ich ihm keine aufdringen wollen.Das für den Papa.

An Jaques kann ich jetzt unmöglich schreiben. Schreibt ihm das, und: daß ich über seinen Kauf des Tripelconzerts von 1 Kreutzer, der 100000 werth ist, an die Deke gesprungen – Ich meine aber die Bettdeke, nach [üdZ] die der ich mich jetzt (12½ Uhr, also 1. April) wohl streken muß.Gute Nacht – habt ihr schon, hoff ich.

|3 Mittwoch 1. April früh 7½ Uhr

P. S. Ich wollte Euch, liebe Kinder, einmal ordentlich auf Eure lieben Briefe antworten (ich kenne keine lieberen) aber heute stürzt alles auf mich ein: Zettel drucken u. vorher schreiben, Saiten aufziehen, Exerziren, Musiker bestellen, Lichte kaufen, noch ein kleines Liederspiel für die Violine componiren (dergleichen werden hier aufgeführt oft geführt?), Haar abschneiden, bei Runeken zu Mittag essen – mich anziehn – kämmen – waschen – diesen Brief versiegeln den ich Gottlob nicht couvertiren darf – Aber am allermeisten, oder ganz allein im Grunde, drängt mich der Abgang der Post (um 9 Uhr.)

Erzählen Sie mir immer so vergnügte Tage, und glaubt nur, daß nichts kein klassischer Autor so oft u. aufmerksam gut gelesen wenn auch nicht beantwortet wird als Eure Briefe.

Paul

Meine Abreise noch unbestimmt, aber gewiß nicht später.

Zitierhinweis

Von Paul Emile Thieriot an Jeanette Thieriot und Christiana Friederica Heinroth. Berlin, 31. März und 1. April 1801, Dienstag und Mittwoch. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1412


Informationen zum Korpus | Erfassungsrichtlinien

XML/TEI-Dokument | XML-Schema

Textgrundlage

H: BJK, Berlin A, 243
1 Dbl. groß 8°, 3 S. Auf S. 4 Adr.: Mademoiselle | Jeanette Thieriot | p. remettre à Madem. Heinroth. | A ouvrir en cas d'absence. | Leipzig | franco | Berlin la 3t Avril. Siegel.