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Offenbach a/M 9. Nov. 4

"weitläuftigen Verwandten, einen Schwager Ihres Vetters Malviux pp Ich selbst bin wieder ein Schwager dieses Herrn." – Hier, mit der Erkennungsszene ( unter übrigens bisheriger Unbekannt en scha ften) fängt die Geschichte an von ihrem Interesse Reiz zu verlieren. Bloß für mich behält sie ihn insofern, als mein junger Vettersschwager auf dem übrigen Wege nicht müde war, nach meinem und meiner Tanten Stammbaum zu forschen, und alles wie es mir vom Munde ging oder hinkte, mit eigner genealogischer Lust zu Pergament zu bringen. – Auch hier besuchten mich beide aus Frankfurt noch: jetzt sind sie der Krönung halber nach Paris. -

Fritzens Adreße gebt mir doch, Leute.

Grüße mir den Bayreuther in Hamburg von dem in Offenbach.

|2 Uebrigens hab ich hier – das vergaß mein voriger biographischer Brief – so außerordentlich viel zu thun noch nicht.

17.

Eines Abends saß ich drunten bei der armen geistreichen Hofmann und im Disput mit ihrem neu zu uns gestoßenen Bruder Lips (Philipp) Hofmann, großem Klavierspieler und gelehrten Musiker, (wir disputirten u. stotterten schon zweimal bis Mitternacht gegen einander über die tiefsten Sachen, wobei die Schwester erstaunlich fein das Geistigste faßt und oft ausspricht)da kam Dein Brief zu mir.

Dein erster Vorreiter nach Offenbach!

Ich konnte ihn noch nicht lesen, ich mußte erst sehen (durch Blättern) |3 ob Du meinen hättest (den ich durch eine Magd bestellen mußte.) Da ich es fand, war ich ruhig.

Dann fiel mir Maxens Geburtsfeier ins Auge. Küße doch Kindlein , Mutter u Vater für mich.

Dann (oder dazwischen?) mein Schwesterchen mit ihrem schönen Brief . Ist ers nicht? – Ich hab ihr schon geantwortet. Auch Ebenfalls schönen Gut.

Mit dem "Nur schreiben wenn od. was man muß" war ich ein Esel, und Du meine stachlichte Distel .

– ein Narr, und Dein, folglich Deiner.

ein solider Lyriker vielleicht, aber ein lokerer Moralist, zumal für Leute meines Schlags (mit Schlagbäumen) an die ich doch dabei allein dachte, für deren Bequemheit ein solcher Satz zum rechten Kopf- und Handkissen aufgepolstert werden könnte.

|4 Sey immer oft noch ein wenig böse, Du Guter, wenn Du mich besser machen kannst.

Das Winterkamisölchen, Freund, gehört ja der Richter, die mir es auf einen der letzten Tage vorstrekte. In der letzten Nacht wo ich – zum Teufels-Zuckerwurf in mein Volks Butterfaß – mit einem Talglicht ohne Lichtputze aufbleiben mußte, brachte ich noch alle Dinge in meiner Stube in von mir dafür gehaltene Ordnung – also das Wiener Geld in den Carlsbader Becher im me Pult – und legte dabei auch das Camisölchen zu den abgenommnen Bettüchern, den Stubenschlüssel aber nach Abrede in Richters Zimmer.

Gute Nacht, Freund. Ich muß heute schlafen, denn morgen geigen.
Ottos .
J'aime la Musique noch, lieber Uhlfelder!

Thieriot

Alles steht u geht recht. – Mach Richter schreiben!

Zitierhinweis

Von Paul Emile Thieriot an Emanuel. Offenbach, 9. bis 17. November 1804, Freitag und Sonnabend. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1561


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Textgrundlage

H: ehemals Slg. Apelt,
1 Dbl. 8°, 4 S.

Überlieferung

h: BJK, Berlin V, 138
Briefkopierbuch der Briefe Thieriots an Emanuel, H. 1, S. [46]–[47] (unvollständig).


Korrespondenz

B: Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 11. November 1804
A: Von Emanuel an Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 27. November 1804

Präsentat: 27t beantw.