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Bayreuth, 10 Oct. 1810

Mein Thieriot! Damit ich es nicht vergeße, will ich Dich gleich, im Namen unsrer Freundin Jette Braun bitten, daß Du ihrem Manne seinen rechten Titel gebest, d.i.: PostDirector, versteht sich Großherzoglich Badischer, auf den Briefen.

Und nun hab Dank für Deine lieben Worte , die Du mir durch unsre Freundin zugelanget.

Du hast auch welche auf diesem Hinweg von mir erhalten und daß ich es liebe, wenn Liebesbriefe sich auf den Wegen begegnen, das weißt Du längst, wenn Du's anders nicht längst wieder vergessen hast.

Für die Länge der Zeit, die Du an Deinen jüngsten Brieflein verwendetest, dürft' es schon länger seyn: indeß ich bin doch zufrieden, mit Dir und mit ihm.

Besonders erfreut mich die Genesung der lieben Hofmann. Grüß mir |2 sie recht freundlich und inniglich. Sag ihr, sie soll ohne meine vorhergehende Erlaubniß nicht wieder krank werden.

Mit Deiner Erlaubniß wiederhol' ich Dir, daß Du immer schwerer wirst zu verstehen.

Unser braver Wangenheim sagte mir das auch kürzlich, klagend und bedauernd.

Du bist vom Herzen so hell; sei's uns doch auch münd- und federlich, unser Thieriot.

Vergieb mir diese Bitte und – wenn ich umsonst bitte – noch mehrere in der Zukunft.

Am 29ten. Bald werd' ich so viel Pausenzeit zu meinem Briefe brauchen, als Du zu den Deinen.

In diesem Monat mußt' ich einige kleine Reisen machen und hatte so manche Beschäftigung, daß ich nicht eher wieder zu Dir kommen konnte, mein Thieriot.

Gestern schickte mir die Jette ein |3 Blättchen von Dir an sie und darinn ein Gruß an mich.

Also bleibst Du noch wo Du bist.

Schreib nur für uns auch mit.

Vor einigen Wochen sagte ein hiesiger Profeßor, Wagner, in einem Program, gelegenheitlich einige Worte über Pestalozzi.

Sie haben mir nicht mißfallen. Vielleicht schick' ich Dir sie.

Lieber. Wenn Du wolltest, Du könntest mit Deinem heiligen Sinn uns gewiß etwas recht Gutes, Wahres und Nützliches über Institute und besonders über das des edlen P. geben; aber Du wirst nicht wollen wollen.

Ich glaube, gewiß mit Dir, daß der Eltern Häuser die besten der Erziehung sind und daß in diesen die Natur die Kunst in den meisten Instituten weit übertrift.

Aber was uns Noth thut, das ist, was Vater Pestalozzi längst eingesehen, |4 auf welche Weise man seelenkräftige Mütter erziehet! Die Mütter, das sind die natürlichsten und ersten Institute und – davon geh' ich nicht ab – solange diese nicht die erste Hand mit anlegen, bleibt das Erziehungswesen in seiner alten Unvollständigkeit.

Diesen meinen Glauben seh' ich befestiget bei den seltenen, braven Eltern Seebeks , die ein Institut haben, wie ich es nie besser gesehen und das besteht aus ihren 8 sage acht sehr gut und wohl erzogenen Kindern .

Könnt' ich Dir und der lieben Eva doch dieses Institut zeigen!

In der nächsten Woche heirathet mein Israel seine Ella.

Richters , Alt und Jung sind wohl.

Zehelein, Uhlfelder und Israel danken Dir für Dein Andenken und grüßen Dich mit alter Liebe.

Mein guter Thieriot, gieb mir einmal wieder etwas von Deinem Jacques zu lesen, Deinem ewig treuen

Emanuel

Zitierhinweis

Von Emanuel an Paul Emile Thieriot, Bayreuth, 10. und 29. Oktober 1810, Mittwoch und Montag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB1911


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin V, 138
1 Dbl. 8°, 4 S.